Drei Säulen35 Jahre Kampfkunst im Erzgebirge seit 1983

Kanji Titel

独逸白鶴手拳法古武術協会

doitsu hakucho te kenpo kobujutsu kyokai – G.H.T.K.A.

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Drei Säulen

3 Säulen

Die Säulen des Karate

Kritik

ShikodachiIn jedem Karatebuch ist nachzulesen, daß diese Kampfkunst auf drei Säulen steht. Bis zum Erbrechen wird veranschaulicht, daß Kihon, Kata, Kumite unabläßlich für Karate seien.

Im Prinzip ist dagegen nichts einzuwenden, dennoch hab ich Grund zur Kritik.

Die vierte Säule vergessen alle oder es ist ihnen nicht bekannt: der gesunde Menschenverstand.

In 99% aller Karatevereine werden die ersten drei Säulen getrennt behandelt und die vierte verboten.

Die Umsetzung des drei Säulensystems geht meilenweit am Sinn und Zweck vorbei.

Kihon | Grundlage 基本

AwasezukiKihon, Grundlagentraining wird gänzlich überbewertet und falsch vermittelt. Nicht selten hab ich erlebt, daß ein ganzes anderthalbstündiges Training nur auf der stupiden Wiederholung von einzelnen Techniken beruht - eine Herde Roboter auf der Reise um die Welt. Ich muß zugeben anfangs bestand mein Training auch zu häufig aus genau demselben Schrott. Die Schüler konnten jedoch mit den Techniken nichts anfangen, ganz einfach deshalb, weil selbst die präziseste Ausführung nichts nutzt, wenn der Gegner nicht so angreift, wie ich es gern hätte oder gedacht habe. Das Resultat aus diesem falschen Verständnis, ist die Unfähigkeit diese präzisen, mit Winkel und Lineal nachgemessenen Techniken nicht umsetzen und anwenden zu können. Spätestens bei einer Auseinandersetzung oder auch nur bei einem Training mit dem Partner einer anderen Kampfsportart bemerken sie, das Erlerntes wirkungsarm, wirkungslos ist, vielleicht gar nicht eingesetzt werden kann.
Die Eleganz und Schönheit einer Technik ist völlig belanglos, daran kann man feilen, wenn man sie richtig beherrscht.
Schöne Techniken tun nicht weh, Techniken, die weh tun, sind nicht immer schön anzusehen.
Eine Technik muß in jeder Lebenslage funktionieren, also übe nicht 1000mal in die Luft und 1mal mit Partner, sondern mit 1000mal mit Partnern und 1mal in die Luft.

Kata | Form

NekoashidachiKata, Formen zu üben wird entweder über- meist aber unterwertet. So kenne ich Vereine, da gibt es nichts außer Form, man könnte annehmen die Leute sind beim Ballett rausgeflogen. Die Zeit, die in vielen Dojo für Formen aufgewendet wird, schöpft oft nicht einmal im Ansatz das Potenzial einer Form aus. In der Regel wird mit einer einfachen Form, wie Taikyoku, Pinan|Heian, Gekisai|Gekiha oder Fukyu begonnen, um den Neueinstieger nicht zu überfordern. Das ist lobenswert und im Training mit Kindern auch zweckmäßig, nur wird sich leider viel zu lang bei diesen Formen aufgehalten. Gut, es soll nicht jeder alles lernen, deshalb hab ich nicht selten Dinge gehört, wie: "die Kata ist zu hoch für dich" oder "das ist eine Braungurt-Kata, du bist Grüngurt, die geht dich nichts an" u.s.w.. Laß Dir den Quatsch nicht eintrichtern, es sind nur Steine, die Dir mutwillig in den Weg gelegt werden. Der häufigste Grund für solche Sprüche ist, daß der entsprechende Lehrer Angst davor hat, seine Schüler könnten ihn in der Hierarchie zu nahe kommen. Weitere Gründe wären, daß er die Form selbst nicht gut kennt oder er hält sich an schwachsinnige Verbandsregeln.
Oft wird verlangt, daß die Schüler mit jeder Graduierung die nächst höhere Form lernen müssen. Sie feilen an Abläufen, aber das Verständnis für die Form stellt sich nicht ein. Die Verbände sollten also für die nächst höhere Graduierung, besser die nächsthöhere Form der selben Form verlangen. Nicht verstanden? - Weiter üben.
Übt man eine Anfängerform zu lang, dringt man selten in die Tiefe einer echten Form vor. Das liegt daran, daß Taikyoku, Pinan, Gekisai, Gekiha, Fukyu, Sanchin, Tensho und wie sie alle heißen, nichts weiter als - ich nenne sie so - Notlösungen sind. Es sind Bruchstücke älterer Formen, Taikyoku und Pinan aus dem Xingyi; Gekisai/Fukyu aus Hakucho, Hakutsuru, Neipai; Sanchin aus der alten Sanchin mit über 100 Schritten. Hör' ich da Protest? Die Tensho ist eine Meisterkata! Ist sie nicht, sie hat den gleichen Ursprung, wie die Siu si lien dao in der Form Rokkishu bzw. in deren Vorformen. Woher ich das weiß? nun ich weiß es nicht, ich hab Augen im Kopf.

Kumite | Kampf 組手

MaegeriKumite, Kampftraining und seine verschiedenen Unterformen erfüllt nicht den eigentlichen Zweck, entweder es baut nicht auf den stilüblichen Formen auf oder es wird nur der sportliche Wettkampf trainiert. Ich hab schon Trainer dabei ertappt, daß sie Filmtechniken nachahmten und ihren Schülern als eigene und "effektiv" verkauften. Sehr, sehr viele Lehrer unterrichten selbstmörderische Strategien aus dem einfachen Grund, daß sie es nicht besser wissen, ihnen mangelt es an Erfahrungen aus dem echten Leben. Wieviele haben ihren einzigen Satz blaue Augen nur innerhalb des Dojo abbekommen? Kumite ist Selbstverteidigungstraining, es soll auf den stilüblichen Formen basierend, für den Fall eines tatsächlichen, ernsten Angriffs trainiert werden. Die Freunde des Wettkampfes können genau die selben Techniken nutzen, in dem sie dem Reglement angepasst werden. Hat Dein Lehrer keine Ahnung von Selbstverteidigung, geh' zu einem anderen.

Säulenfundament

Wenn es drei Säulen des Karate gibt, worauf stehen sie?

ShikodachiBesser ein Fundament - die Form -, darauf kann man soviele Säulen stellen, wie man möchte.

Das Training sollte zu 90% oder mehr aus Form bestehen. Der Lehrer kann jedem Schüler, jede Form "mitlaufen" lassen. Der Schüler sucht sich instinktiv eine für ihn geeignete Form und diese übt er freiwillig bis zum Erbrechen.

Ein übliches Training kann demnach, wie folgt stattfinden:

  • Erwärmung mit Bewegungen aus den Formen
  • Kihon mit einzelnen und kombinierten Bewegungen aus den Formen
  • Techniken, Abläufe mit unterschiedlichen Partnern, aus unterschiedlichen Situationen heraus, aus den Formen
  • sportlichen Wettkampf mit Bewegungen aus den Formen
  • Kondition und Kraftraining mit Bewegungen aus den Formen
  • Abwärmen mit Bewegungen aus den Formen

 

Somit besteht das Training automatisch bald zu 100% aus den eigenen Formen. Der Schüler dringt schneller in die Prinzipien des Systems und wird fest darin verwurzelt. Er macht dem Lehrer, dem Verein, dem Stil alle Ehre, weil er lernt, sich mit den Prinzipien des Systems zu identifizieren und ein Teil dessen zu werden. - Damit legt man den Grundstein für ein Fundament, das eine ganze Säulenhalle tragen.

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