DaoDeJing - Deutsch38 Jahre Kampfkunst im Erzgebirge seit 1980

Kanji Titel

独逸白鶴手拳法古武術協会

doitsu hakucho te kenpo kobujutsu kyokai – G.H.T.K.A.

DaoDeJing - Deutsch

1

Das Unaussprechliche, über das man redet, ist nicht das ewige Unaussprechliche
Eine Name für das Unnennbare ist nur ein Name
Das Unnennbare ist das, was Alles ist
Dadurch, den Dingen einen Namen zu geben, wird das Unteilbare verteilt
Nur wer alle Begierden aufgegeben hat, kann das Unverteilte erfahren
Wer doch Verlangen hegt, erfährt nur Uneinigkeit
Eigentlich sehen beide die gleiche Wirklichkeit, aber erfahren die Wirklichkeit anders
Wer von der falschen Wirklichkeit in die andere geht,
Passiert das enge Tor nach dem Geheimnis des wahren Lebens



2

Wenn Menschen Dingen schön finden, müssen sie andere Dingen doch hässlich finden
Wenn Menschen Dingen gut nennen, müssen Sie andere doch böse nennen
Aus der Wirklichkeit schaffen sie eine Scheinwirklichkeit
Schwierig und einfach sind relativ
Lang und kurz sind abhängig von einander
Hoch und niedrig werden bestimmt durch einen Standpunkt
Klang und Stimme hängen von einander ab
Vorn und hinten setzen einen Blickpunkt voraus
Wer weise ist, handelt deshalb ohne Absicht
Und bestimmt nicht, was andere tun müssen
Er lässt alles geschehen, wie es geschieht und gehen, wie es geht
Er betracht, was er tut, nicht als eigenen Verdienst
Und gerade dadurch ist er lobenswert



3

Wenn man Menschen rühmt wegen ihren Leistungen, werden die Menschen wetteifern gehen
Wenn man Dinge kostbar nennt, werden die Menschen sie stehlen gehen
Wenn man begehrenswerte Dinge zur Schau trägt, werden die Menschen unruhig davon
Darum hält der Weise es für seinen Auftrag, ihre Köpfe zu leeren,
Dafür zu sorgen, dass sie keinen Hunger haben,
Ihren Ehrgeiz zu entmutigen und ihre Körper zu stärken,
Damit die Menschen ohne Begierden und ohne Sucht nach Kenntnis sein sollen
Und die Wissenschaftler nicht die geringste Chance bekommen
Wenn die Menschen nicht mehr arbeiten sollen
Werden alle in Frieden leben



4

Was das Geschaffene instand hält,
Ist wie ein leeres Fass, das unerschöpflich ist
Es ist wie grundlose Leere, die die ganze Schöpfung füllt
Ihre Schärfe macht Rundungen
Ihr Winkel lösen auf
Es mäßigt sein Licht
Es bändigt seine Berührung
Wie pur und still scheint es zu bleiben, wie tiefes Wasser
Ich weiß nicht wodurch es hervorgebracht wird
Es ist, als wäre es noch älter als das, wodurch es hervorgebracht wurde



5

Die Schöpfung tut nicht liebenswürdig
Sie behandelt alle Dingen unparteiisch
Wer weise ist, tut nicht liebenswürdig
Für ihn sind alle Menschen gleich
Das Universum ist wie ein Blasebalg
Obwohl leer, füllt es unablässig
Je stärker es arbeitet, desto mehr es hervorbringt
Je mehr man darüber versucht zu reden
desto ermüdeter man dadurch wird
Halte dich darum doch an das worum es echt geht



6

Der Geist der Tiefe stirbt niemals
Man nennt ihn ja die große Mutter
Das Tor, wodurch er bläst,
Ist das Fundament der Schöpfung
Ewig und ewig scheint das zu bestehen
Wenn man sich darauf verlässt ist das Leben mühelos



7

Das Universum ist immerwährend
Der Grund warum es immerwährend ist,
Ist weil es nicht für sich selbst besteht
Darum kann es andauern
Darum verhält sich der Weise wie der mindeste
Er ist frei und darum behalten
Könnte es nicht so sein, dass er vollkommen ist
Gerade weil er uneigennützig ist?



8

Der vollkommene Mensch ist wie das Wasser,
Das zu Gunsten kommt an alle Dinge und mit nichts wetteifert
Es verbleibt auf Plätzen, die durch andere verachtet werden
Aber auf diese Weise folgt es seiner Natur
Wer weise ist, liebt in seinem Herzen die Einfachheit
In seinem Kontakt mit anderen ist er liebenswürdig
In seine Worten vertrauenswürdig
In seinem Führen ist er friedliebend
In dem, was er tut, ist er befähigt
Er tut alles im Moment, da es geschafft werden muss
Er macht keinen Krach
Und darum ist er tadellos



9

Es ist besser ein leeres Fass zu tragen, als ein volles Fass
Schleife ein Messer messerscharf und es wird nicht lange halten
Wenn ein Hause gefüllt ist mit Kostbarkeiten, ist es nicht zu bewachen
Wenn Reichtum und Ehrgeiz hochmütig machen, führt es zum Fall
Wenn Ruhm und Erfolg dich bedrängen, ziehe dich zurück
Das ist der einzige Weg zur Glückseligkeit



10

Kannst du deinen Kopf leer machen und bleibend aufgehen im All?
Kannst du leben nach deiner Natur und wieder werden wie ein Kind?
Kannst du die Türen der Wahrnehmung reinigen und wieder klar sehen?
Kannst du alle deine Mitmenschen lieben und der Menschheit uneigennützig dienen?
Kannst du durch das enge Tor mühelos ein und ausgehen?
Kannst du in der Welt, aber nicht von der Welt sein?
Kannst du einsehen, dass du nichts wissen kannst und dadurch alles begreifen kannst?
Die Natur bringt alles hervor und nährt alles
Sie bringt hervor und besitzt nichts
Sie tut alles uneigennützig und verlangt nichts davon zurück
Sie führt, aber fordert nichts
Das ist, was man das Unergründliche der Natur nennt



11

Dreißig Speichen vereinigen sich in der Nabe
Aber das Rad ist nur zu benutzen, durch das leere Loch in der Nabe
Ton wird geformt zu Fässern
Aber die Brauchbarkeit wird bestimmt durch die leere Höhle
Bei dem Bau eines Hauses werden in den Mauern Türen und Fenster ausgespart
Aber von dem leeren Raum hängt die Brauchbarkeit des Hauses ab
Darum ist das, was ist, nützlich
Aber der Raum macht es brauchbar



12

All die künstlichen Farben blenden die Augen
All die angefertigte Musik macht die Ohren taub
All die verschiedenen Geschmäcker stumpfen den Geschmack ab
Pferderennen und Jagdpartien machen die Menschen irrsinnig
Die Sucht nach kargen Güter
Behindert das Gehen auf dem rechten und einfachen Pfad
Wer weise ist, genügt sich, zu nähren
Und belästigt seine Augen nicht
Darum tut er das Eine und lässt das Andere



13

Hüte dich vor Dankbarkeit und Kritik
Ehre und Missgeschick sind genauso unheilvoll wie das Haben eines Charakters
Was heißt das,
Hüte dich vor Dankbarkeit und Kritik?
Nimm dich in Acht vor Dankbarkeit, denn sie geht hervor aus Untertänigkeit
Nimm dich in Acht vor Kritik, denn sie geht hervor aus Übermacht
Hüte dich darum vor Dankbarkeit und Kritik
Was bedeutet, dass Ehre und Missgeschick genauso unheilvoll sind wie das Haben eines Charakters?
Uns treffen große Katastrophen, weil wir etwas zu verlieren haben
Wenn wir nichts zu verlieren haben sollten, welche Katastrophen würden uns treffen können?
Darum: Denen, die sich selbst für ebenso wertvoll halten, wie die Welt
Kann man die Welt anvertrauen
Und denen, die sich selbst und die Welt ebenso bedingungslos lieben,
Kann man die Sorge für die Welt überlassen



14

Wir schauen danach und wir sehen es nicht und wir nennen es das Unsichtbare
Wir lauschen darauf und wir hören es nicht und wir nennen es das Unhörbare
Wir tasten danach und wir berühren es nicht und wir nennen es das Unberührbare
Das Unsichtbare, das Unhörbare und das Unberührbare fließen zusammen in das Eine
Es gibt kein Licht, wenn es aufgeht
Es gibt kein Dunkel, wenn es untergeht
Unablässig, andauernd, aber es ist nicht in Worten auszudrücken
Und es kehrt zurück bis zum Nichts
Das nennt man unbestimmt und ungreifbar
Von vorne sieht man es nicht
Von hinten sieht man es nicht
Wer nach dem ursprünglichen Gewissen lebt, lebt im Heute
Und begreift alles, was jemals gewesen ist
Das heißt "leben nach der Natur"



15

Die Weisen von einst waren tief und scharfsinnig
Man fand sie unergründlich
Weil sie unergründlich waren, werde ich versuchen ihre Lebensweise zu skizzieren
Sie schienen behutsam wie Menschen, die einen winterlichen Fluss hinübergehen
Sie schienen unschlüssig, als ob überall rundum Gefahr drohte
Sie schienen würdig, als ob sie Gäste waren
Sie schienen natürlich wie rohes Holz
Sie schienen leer wie ein Tal
Sie schienen undurchsichtig wie trübes Wasser
Wie kann man schlammiges Wasser klar machen?
Durch Ruhe wird der Schlamm sich absetzen und das Wasser wird klar werden
Lass alles geschehen, wie es geschieht und du wirst zur Ruhe kommen
Der Kopf des Weisen ist leer. Er sucht nichts und erwartet nichts
Er ist leer, ist ewig jung und nicht von der Zeit
Er ist vollkommen



16

Wer einen leeren Kopf hat, ist zufrieden, wer zufrieden ist, hat einen leeren Kopf
Alle Lebewesen strengen sich an und kommen wieder zu Ruhe
Alle Gewächse wachsen auf bis zur Reife und kommen dann zur Ruhe
Die schließliche Ruhe nennen wir "fertig sein", Vollendung
Die Rückkehr zur Natur ist das ewige Leben
Das Leben im Heute heißt "aufgeklärt sein"
Wer nicht aufgeklärt ist, lebt in Verwirrung und Elend
Wer nach seiner Natur lebt, begreift alles und ist duldsam
Wer duldsam ist, ist gerecht
Wer gerecht ist, ist königlich
Wer königlich ist, ist göttlich
Wer göttlich ist, kennt sich selbst
Wer sich selbst kennt, hat das ewige Leben
Wer das ewige Leben hat, fürchtet sich nicht vor dem Tod



17

Über die Weisen von einst wussten die Menschen nur, dass sie bestanden
Später liebten und bewunderten sie sie
Noch später hatten sie Angst vor ihnen
Und schließlich wurden die Weisen durch die Menschen verachtet
Wer sich selbst nicht traut, traut auch anderen nicht
Wie bedächtig waren die ersten mit ihren Worten
Sie verfuhren so vorsichtig, dass wenn sie fertig waren,
Die Menschen dachten, dass sie es selbst geschafft hatten



18

Als die Menschen abwichen von sich und der Natur,
Wurde freundlich und gerecht sein ein Verdienst
Kenntnis und Schlauheit hielten ihren Einzug und die Lüge regierte
Angehörige kamen mit einander in Hader und Lieben wurde eine Pflicht
Wenn die Menschheit und die Familien in Verwirrung geraten
Wird Treue ein Gebot



19

Entäußere dich von weltlicher Kenntnis und Schlauheit
Und es wird der Menschheit nur zugunsten sein
Höre auf, liebenswürdig und gerecht zu tun, aber sei es
Dann werden die Menschen einander bedingungslos lieben
Entäußere dich von der Arbeit ihrer Hände und dem Dienen deines Eigennutzes
Und da werden keine Diebe und Räuber mehr sein
Aber diese drei Dingen sind noch nicht genug!
Worum es wirklich geht, ist die Rückkehr zur Einfachheit
Das Aufgeben deines Egoismus und nichts mehr zu wollen



20

Wenn du dir abgewöhnst, was du erlernt hast, wirst du ohne Sorgen sein
Dass nur wenig Unterschied besteht zwischen "ja" und "ja aber",
Dass ein großer Unterschied besteht zwischen Gut und Böse,
Dass man Angst vor dem haben muss, vor dem andere Angst haben:
Was ein endloser Quatsch
Jeder ist unruhig und aufgeregt, als ob sie ein Fußballspiel anschauen
Nur ich bin ruhig und entspannt und ich brauche und verlange nichts, wie ein kleines Kind
Ich hänge an nichts mehr und brauche nicht mehr irgendwohin zu gehen
Die anderen besitzen schon soviel und wollen noch mehr
Nur ich scheine alles verloren zu haben
Sie denken, dass ich verrückt und verwirrt bin
Die Menschen scheinen klug und intelligent
Und meinen, dass ich albern und einfältig bin
Es scheint, als ob ich wetterwindisch bin und nirgendwo Ruhe finde
Die anderen scheinen soviel zu wissen
Und für sie bin ich ein schroffer Bauer
Nur ich bin anders, weil ich meiner Natur nach lebe



21

Ein tugendhaftes und glückseliges Leben ist nur erreichbar, wenn du deinem Gewissen folgst
Das Gewissen ist unsichtbar und ungreifbar. Wie kann man ihm dann folgen?
Es spricht in Bildern, wie Schatten in der Dämmerung
Aber wie dumpf und finster
Das Gewissen ist verborgen, aber trägt das Wesentliche von allem in sich
Die wirkliche Lebenskraft verbirgt sich im Gewissen
Alles was die Menschen eigentlich doch wissen, trägt das Gewissen in sich
Von Anfang an ist es immer gewesen, unter zahllose Namen
Das Gewissen unterscheidet die Wahrheit von der Lüge
Wie weiß ich, dass es so ist?
Das hat mein Gewissen mir erzählt



22

Uneinigkeit wird Einigkeit
Das Krumme wird gerade
Das Leere wird voll
Das Alte wird neu
Wer nichts besitzt, bekommt alles
Wer viel besitzt, bekommt nichts
Wer weise ist, hegt also die Einfachheit und ist so ein Vorbild für die Welt
Er ist bescheiden und dadurch zeichnet er sich aus
Er braucht sich nicht zu bewähren und deshalb vertrauen die Menschen seinen Worten
Er hat nichts zu verteidigen und dadurch ist er unverletzbar
Der Spruch der Weisen von einst „Das Unvollkommene wird vollkommen“ ist folglich richtig
Für den Vollkommenen ist die Welt sein Zuhause



23

Wer sich selbst kennt benötigt wenig Wörter
Ein Wirbelwind dauert nicht einen ganzen Morgen
Ein Regenschauer dauert nicht den ganzen Tag
Wo kommen Wind und Regen her?
Sie gehen aus der Natur hervor
Wenn die Natur Wind und Regen nicht lange dauern lässt
Warum sollte der Mensch dann soviel reden müssen?
Darum wird der, der seinem Gewissen folgt, zusammenfallen mit seinem Gewissen
Wer vorbildlich lebt wird ein Vorbild sein
Aber wer sich selbst verliert, weiß nicht mehr, wer er ist
Wer sich selbst wieder findet, findet die Glückseligkeit
Wer sich selbst verliert, verliert das wahrhaftige Leben
Wer nicht auf sich selbst vertraut, dem wird auch nicht vertraut



24

Wer auf den Zehen steht, steht nicht standfest
Wer krampfhaft läuft, kommt nicht weit
Wer eitel ist, ist kein Licht
Wer sich selbst beschönigt, ist nicht glaubwürdig
Wer sich selbst hocharbeitet, erniedrigt sich selbst
Für den Weisen sind das nur Torheiten
Wer gerecht und ehrlich ist, verzichtet darauf



25

Bevor die Schöpfung zum Ausdruck kam
War schon etwas da, vollkommen aber noch ohne Form
Still und unveränderlich
Überall anwesend und unerschöpflich
Man kann es betrachten als die schöpfende Kraft von allem, was ist
Ich kann es nicht beschreiben, aber ich nenne es einfach Tao
Wenn ich es doch deuten muss, nenne ich es „Das Universum“
Mit dem Universum meine ich das sich überall Ausbreitende
Das sich endlos Ausbreitende und Wiederkehrende
Darum ist das Schöpfende groß und die Schöpfung groß und wer weise ist, ist groß
Darum sind es drei Größe und eine davon ist der wahrhafte Mensch
Der wahrhafte Mensch folgt seiner Natur, die Natur ihren ewigen und unveränderlichen Gesetzen
Die Gesetzen der Natur gestalten die ewige Ordnung des Universums
Die Ordnung des Universums wird begründet durch das Unnennbare



26

Das Schwere ist die Quelle des Lichtes,
Der unbewegte Beweger, der Ursprung aller Bewegung
Darum kann der wahrhafte Mensch den ganzen Tag in Bewegung sein,
Weil er es nicht ist, der sich bewegt
Sondern weil er sich auf dem Leben forttreiben lässt
Wie ein Zuschauer genießt er die prachtvolle Schöpfung
Warum würde er sich dann, als der Mittelpunkt der Welt,
Für geringer halten als die Welt?
Wer seine Großartigkeit nicht kennt, löst sich von der Welt
Wer ruhelos irregeht, ist sich selbst im Weg



27

Der wahrhafte Reisende geht kein gebahnten Wege
Der wahrhafte Sprecher hat Antworten auf alle Fragen
Der wahrhafte Rechner hat alle Aufgaben geklärt
Eine schlüssige Geschichte benötigt keine Bestätigung
Keiner kann sie entkräften
Wer sieht, wie vollkommen alles mit allem zusammenhängt
Braucht keine Theorien und keiner kann an ihm zweifeln
Darum ist der wahrhafte Mensch ein Lehrer für die anderen
Und liebt seine Mitmenschen bedingungslos
Darum auch ist er ein Hüter der ganzen Schöpfung
Und achtet alles was lebt und wächst
Das nennt man das Licht, das Mensch geworden ist
Darum ist der wahrhafte Mensch ein Spiegel für die Unwahrhaften
Und den Unwahrhaften einen Spiegel vorzuhalten ist die Aufgabe des wahrhaften Menschen
Wer sich selbst nicht unter die Augen wagt zu treten, wer sich selbst nicht liebt
Kann dann viel wissen, aber er ist blind
Es scheint merkwürdig, aber es ist wahr



28

Wer seine Kraft kennt und trotzdem sanftmütig bleibt, ist der Geringste
Wer der Geringste ist, ist gleichmäßig und wieder das unbefangene Kind, das er einst war
Wer die Lügen durchschaut hat, ist ein Vorbild für die Welt
Wer wieder Mensch geworden ist, ist ein Vorbild für die Welt
Wer sich selbst kennt, ist ein Wissender inmitten Unwissender
Wer wieder bis zu seiner ursprünglichen Reinheit gekehrt ist, erkennt seine Größe
Wer seine ursprüngliche Natürlichkeit verlässt, wird gebildet
Im Auge des wahrhaften Menschen benehmen diese sich wie Schauspieler



29

Wer meint, dass er die Schöpfung verbessern kann: Es wird ihm nicht gelingen
Die Schöpfung ist vollkommen und kann nicht verbessert werden
Wer eingreift in die Natur, wird die Natur zerstören
Wer die Natur beherrschen will, wird gegen der Natur verlieren
Denn alles ist, wie es ist und alles geschieht, wie es geschieht
Dann gibt es Wärme und dann gibt es Kälte
Dann gibt es Sturm und dann gibt es Windstille
Dann gibt es Wachstum und dann gibt es Absterben
Wer weise ist, lässt sich auf dem Strom des Lebens mitführen



30

Wer kämpft für eine gerechte Welt, gebraucht keine Gewalt
Denn wer Gewalt braucht, fordert Gewalt heraus
Wo Uneinigkeit herrscht, ist Chaos
Und nach Konflikten folgen magere Jahre
Der Gerechte tut, was er kann und zwingt nirgends
Er ist nicht stolz auf das, was er erreicht
Protzt nicht mit dem, was er erzielt
Bildet sich nichts ein auf das, was er erlangt
Tut was er tut, weil er nicht anders kann
Und niemals braucht er Macht oder Gewalt
Kulturen, die ihren Höhepunkt erreichen
Läuten ihren eigenen Verfall ein
Kulturen sind unnatürlich
Und was künstlich ist, zerfällt



31

Wie kunstreich das Kriegsgerät auch ist, es bleibt unheilvolles Zeug
Jeder hasst es
Wer gerecht ist, hält sich weit davon entfernt
Der wahrhafte Mensch beschmutzt sein Hände nicht damit
Der Zänker greift dazu
Waffen sind nichts für sanftmütige Menschen
Waffen bringen nur Unheil
Wer weise ist, wird nie und nimmer dazu greifen
Denn Frieden und Ruhe gehen ihm über alles
Er genießt den Sieg nicht
Denn wer den Sieg genießt
Genießt das Töten von Mitmenschen
Wer das Töten von Mitmenschen genießt
Kann niemals Frieden in sich selbst finden
Wohlstand hält man für eigenen Verdienst
Missgeschick für eine Schicksalsfügung
Den Sieg für einen Verdienst der Mannschaft
Die Niederlage ist die Schuld des Befehlshabers
Aber Sieg und Niederlage ergeben nur Verlierer



32

Das Unaussprechliche ist ewig und nicht in Worte zu fassen
Gleich wie mit ein rohes Stück Holz, kann man nichts damit machen
Wenn Leiter das Vorbild des wahrhaften Lebens geben sollten
Würden alle Menschen sich fügen in ihre wahrhafte Natur
Die Himmel wurden tauen und die Wolken Gerechtigkeit regnen
Und ohne eingreifen des Menschen
Würde das allem unter dem Himmelsbogen zu Gunsten kommen
Aber wenn Uneinigkeit entsteht
Muss alles einen Name bekommen
Wisse dann, wenn alles einen Name bekommen hat
Du damit aufhören musst
Wer damit aufhört, wird die Gefahr abwenden
Im Vergleich zu den schlängeligen Nebenflüssen der Verfehlung
Ist der gerade und einfache Weg wie ein mächtiger Strom



33

Wer den anderen durchschaut, ist klug
Wer sich selbst kennt, ist weise
Wer den anderen überwindet, ist mächtig
Wer sich selbst überwindet, ist unerschütterlich
Wer zufrieden ist, ist reich
Wer viel wünscht, ist ständig beschäftigt
Wer sich selbst wieder findet, ist aus einem Stück
Wer stirbt bevor er stirbt, lebt ewig im Heute



34

Dasjenige, das alles ist, ist allerorts anwesend
Es breitet sich aus in der ganzen Schöpfung
Alles verdankt ihm sein Dasein, alles ist seiner Natur gemäß
Es schenkt alles umsonst
Es hegt und behütet alles und alle, aber will nichts
Weil es nichts will, scheint es unbedeutend
Es lässt alles erscheinen und wieder verschwinden
Aber selbst ist es ewig
Darum ist, wer weise ist, bescheiden
Weil er bescheiden ist,
Sind seine Verrichtungen großartig



35

Für denjenigen, der die vollkommene Ordnung betrachtet,
Fällt alles auf die richtige Stelle
Nichts kann ihm schaden und Ruhe und Frieden werden ihm zuteil
Unterwegs gibt es Reisende, die weichen vor Musik und Festessen
Denn der Weg zur Selbsterkenntnis ist säuerlich und unangenehm
Nicht angenehm ins Auge zu sehen
Schmerzhaft zu hören
Aber er gibt eine unerschöpfliche Kraft



36

Nur was gedehnt ist, kann sich zusammenziehen
Nur was gestärkt ist, kann geschwächt werden
Nur was erhöht ist, kann erniedrigt werden
Nur wer besitzt, kann verlieren
Das muss doch deutlich sein
Das Weiche überwindet das Harte
Das Schwache überwindet das Starke
Fische gehören ins Wasser
Waffen gehören verborgen



37

Das ewig Schaffende tut nichts
Und doch tut es alles
Wenn Leiter sich ihm übergeben würden
Würde sich das Antlitz der Erde von selbst ändern
Aber da nun die Menschen so viele Wünsche haben
Kann nur ich das Vorbild sein
Das Vorbild der wahrhaften Einfachheit
Und wenn die Menschen mir folgen würden
Wäre die ganze Welt in Frieden



38

Wahrhafte Tugenden sind nicht von dieser Welt
Darum sind es wahrhafte Tugenden
Die so genannten Tugenden dieser Welt
Dienen nur dem Eigennutz
Darum sind es keine wahrhaften Tugenden
Wer richtig taugt dient nur dem allgemeinen Belang
Wer in dieser Welt „menschenfreundlich“ heißt,
Erwartet Dankbarkeit zurück
Wer in dieser Welt „ehrlich“ heißt,
Hat einen doppelten Terminkalender
Wer sich an diese Welt angepasst hat,
Fordert, dass andere das auch tun
Und sonst drohen sie und werden böse
Darum, wenn die Menschen den geraden und einfachen Weg verfehlt haben
Dann erst tun Menschen tugendhaft, aber sind nicht tugendhaft
Dann tun sie liebenswürdig, aber sind nicht lebenswürdig
Dann tun sie ehrlich, aber sind nicht ehrlich
Dann tun sie anständig, aber sind nicht anständig
Zivilisation ist nur eine dünne Kruste über Untreue und Unehrlichkeit
Und der Quelle von Unordnung und Chaos
Wer weise ist, versteckt sich nicht hinter einer Maske
Er vertraut auf das Innere und nicht auf den schönen Schein
Darum verwirft er den Schein und umarmt das Wesen



39

Von denjenigen von einst, die die Vollkommenheit erreicht hatten,
Wissen wir, dass sie sich eins fühlten mit der ganzen Schöpfung,
Dass sie die Erde nicht wie ein Chaos, aber wie eine Einheit sahen,
Dass sie sich wie Götter fühlten und wie geistliche Wesen,
Dass ihre Leere Fülle geworden war
Und sie sahen die ganze Schöpfung als beseelt
Durch ihre Völligkeit kehrte die Welt zurück zu der ursprünglichen Ordnung
Für denjenigen, der nicht klar sieht, ist die Schöpfung zersplittert
Für denjenigen, der sich außerhalb der Natur gestellt hat, ist die Erde ein Chaos
Wer sich nicht mehr als göttlich erfährt, fühlt sich machtlos
Menschen, die ihre Art verleugnen, gehen zu Grunde
Darum ist gesagt:
Demut ist die Quelle der Würde
Geringfügigkeit ist die Grundlage der Größe
Wer sich erhaben fühlt über sein Mitmenschen
Taugt also nicht, ist unwürdig und gering
Schließlich sind sie über die Rücken ihren Mitmenschen nach oben geklettert
Darum ist ihr Reichtum Armut
Und ihr Gold nur Flittergold



40

Wer von dem geraden und einfachen Pfad abgewichen ist
Wird wieder dazu gezogen
Das geschieht mit sanfter Hand
Die ganze Schöpfung kommt ständig zu Sein
Das Seiende aus dem Nichtseienden



41

Hören die meist Aufrechten von dem Weg zu Selbstkenntnis:
Sie werden es hingebend in die Praxis umsetzen
Hören die ziemlich Aufrechten von dem Weg zu Selbstkenntnis:
Sie werden herausgreifen, was in ihren Kram passt
Hören Eingefleischte von dem Weg zu Selbstkenntnis:
Dann werden sie darüber schallend lachen
Wenn sie nicht darüber schallend lachen würden, würde es nicht wahr sein
Darum gibt es darüber einige Aphorismen:
Der Weg zu dem Licht ist dunkel
Fortschritt scheint Rückgang
Der Weg zum einfachen Weg ist ein schwieriger Weg
Aber auch:
Der größte Persönlichkeit scheint eitel zu sein
Das reinste Weiß scheint grau zu sein
Der meist Tugendhafte scheint nichts zu taugen
Güte scheint nur eine dünne Schicht zu sein
Die Wahrheit zeigt sich als in alle Richtungen anwendbar
Wie ein quadratischer Kreis
Wie ein unerschöpfliches Fass
Wie ein Gesang ohne Wörter
Wie ein Bild ohne Schatten
So ist der Weg verborgen und nicht in Worte zu fassen
Nur der Weg zu Selbstkenntnis hat einen Anfang und ein Ende



42

Das Unaussprechliche lässt das Eine entstehen
Das Eine das Zweite
Und aus dem Zweiten entsprießt das Dritte
Das Dritte bringt ständig die ganze Schöpfung ins Leben
Alles wird getragen durch das Dunkle und kommt ans Licht
Der Atem der Leere schafft die Ordnung
Was die Menschen hassen ist einsam, unbedeutend und nutzlos zu sein
Und doch ist es das, woran die wahrhaften Menschen Gefallen finden
Wer kleiner wird, wird größer
Wer größer wird, wird kleiner
Ich erzähle nur, was jedermann weiß:
Wer mühsam lebt, stirbt mühsam
Dort dreht sich alles um



43

Das Allerweichste ist stärker als das Allerhärteste
Was alles ist, ist alldurchdringend
Darum weiß ich, dass es weise ist, zu lassen und nicht zu tun
Dass man davon keine Lehren braucht,
Dass gerade im Nichtstun das wahrhafte Glück liegt,
Das verstehen in dieser Welt nur sehr wenige Menschen



44

Was ist wertvoller, das Leben oder der Status?
Was findest du wichtiger, dein Selbst oder deinen Besitz?
Was ist schlimmer, erlangen oder verlieren?
Wer viel wünscht, zahlt einen hohen Preis
Wer viel besitzt, kann viel verlieren
Aber wer zufrieden ist, kennt weder Angst, noch Schande
Und wer sich nicht mehr beteiligt, ist niemals mehr bange
Und wird lange und glücklich leben



45

Vollkommenheit ist für die Welt unfertig
Aber zerfällt niemals
Fülle ist für die Welt leer
Aber ist unerschöpflich
Was gerade ist, ist für die Welt krumm,
Weisheit ist für die Welt albern,
Die Wahrheit sprechen schändlich,
Wie Bewegung die Kälte vertreibt
Und Ruhe abkühlt
Zeigen Reinheit und Ruhe den richtigen Weg



46

Wenn alle Menschen ihrer Natur gemäß leben würden
Würden die Pferde galoppieren in der freien Natur
Aber da die Menschen kultiviert sind
Stehen die Schlachtrösser an den Grenzen
Es gibt keinen größeren Fluch, als Unzufriedenheit
Nichts ist unheilvoller, als nicht zufrieden sein mit dem Leben
Nichts fataler, als versessen sein auf Besitz
Wer den Frieden der Zufriedenheit kennt, ist immer zufrieden



47

Ohne mein Haus zu verlassen, begreife ich die ganze Welt
Ohne nach außen zu sehen, begreife ich die ganze Welt
Je mehr man weiß, desto weniger man begreift
Wer weise ist, braucht nicht zu reisen,
Begreift, ohne zu sehen,
Tut nichts und erreicht alles



48

Kenntnis anhäufen macht das Leben stets komplizierter
Weisheit anhäufen macht das Leben stets einfacher
Stets einfacher und einfacher bis die Einfachheit erreicht ist
Nur durch lassen, kann man alles erreichen
Wer nichts mehr will, braucht nichts mehr zu tun und hat sich selbst überwunden
Wer viel will, muss auch viel tun und ist Sklave von sich selbst



49

Wer weise ist, hat keine einzige Meinung
Darum kann er sich in jedermann hinein versetzen
Er akzeptiert jeden, wie er ist,
Egal wie sie sich verhalten
Er vertraut den Ehrlichen und den Unehrlichen
Und dadurch werden sie von selbst ehrlich
Wer weise ist, fühlt sich eins mit allen Menschen
Sie sind ihm gleich lieb
Sie schauen ihn an und hören ihm zu
Und alle betrachtet er als seine Kinder



50

Menschen erscheinen und verschwinden
Ihr Körper ist der Sitz des Lebens
Ihr Körper ist der Sitz des Todes
Menschen altern und verfallen
Warum geschieht denn das?
Das kommt, weil sie eigentlich tot sind, aber denken, dass sie leben
Es wird erzählt über Menschen, die das wahrhafte Leben hatten
Die auf der Welt umherschweiften
Und keine Angst hatten vor Nashörnern und Tigern,
Die Waffen und Gewalt aus dem Weg gingen
Und in Harmonie mit allen Geschöpfe lebten
Darum fühlte kein einziges Tier sich durch sie bedroht
Kein Waffen konnte sie verletzen
Warum das so war?
Weil sie nur lebten
Und dann gibt es keinen Platz für den Tod



51

Das Unaussprechliche lässt alle Dinge erscheinen
Die tätige Kraft bestimmt ihre Art
Ihre Art bestimmt ihre Formen
Die Umstände bestimmen ihre schließliche Erscheinung
Darum achten alle Geschöpfe das Unaussprechliche,
Mit Ausnahme der irregehenden Menschheit
Und leben ihrer Art gemäß
Das geht ganz von selbst
Niemand belohnt sie dafür
Das Unaussprechliche lässt sie leben, nährt sie und lässt sie wachsen
Erfüllt sie, gibt ihnen Ruhe, stützt sie und schützt sie
Es lässt sie leben, aber zwingt sie nicht
Es führt sie mit auf dem Lebensstrom, aber besitzt sie nicht
Es lässt sie reifen, aber beherrscht sie nicht
Das ist ein unergründliches Mysterium



52

Die Welt kommt irgendwo her
Man würde dies die Mutter der Welt nennen können
Wenn man die Mutter kennt, kennt man das Kind
Wer wieder wird wie das Kind, wird die Mutter wiederum kennen
Und bis ans Ende seines Lebens wird ihm nichts mehr schaden
Niemanden wird er verurteilen und durch niemanden wird er sich beeinflussen lassen
Und sein Leben wird ohne Sorgen sein
Aber wer jemanden verurteilt und mit seinem eigenen Belang beschäftigt ist,
Wird bis ans Ende seines Lebens voll Sorgen sein
Wer ein Fünkchen von Licht sieht in der Finsternis, sieht Licht am Ende des Tunnels
Festhalten am Fünkchen erfordert Kraft
Wer dem Licht folgt, kehrt zurück zum wahrhaften Leben
Dann ist die Gefahr gewichen
Und du lebst das ewige Leben



53

Wenn ich die wahrhafte Kenntnis besitzen würde
Würde ich spazieren auf dem geraden und einfachen Pfad
Ich würde die Seitenpfade vermeiden
Denn der gerade und einfache Pfad ist leicht zu gehen
Aber die Menschen lieben schmale Seitenpfaden
Die Häuser der Reichen sind sauber und geputzt
Aber die Äcker der Armen stehen voll Unkraut
Und ihren Getreidescheunen sind leer
Die Elite trägt reichlich geschmückte und teure Kleider,
Die scharfen Schwerter hängen an ihrer Taille
Sie fressen und saufen,
Schwelgen in Besitz und Reichtum
Sie prunken mit geraubten Sachen
Ist das nicht gewissenlos?



54

Wer in dieser ungerechten Welt verwurzelt ist
Lässt sich nicht leicht von seinem Standpunkt abbringen
Wer daran festhält, kann nicht loslassen
Darum werden ihre Kinder leiden bis ins dritte und vierte Geschlecht
Aber wer sich selbst durch sein Gewissen führen lässt
Führt ein tadelloses Leben
Wer dafür sorgt, dass seine Nächsten sich durch ihr Gewissen führen lassen,
Lässt sie aufblühen
Wer erwirkt, dass seine Mitbürger sich durch ihr Gewissen führen lassen,
Lässt sie ein Vorbild vor anderen sein
Und wenn die ganze Menschheit sich durch ihr Gewissen führen lässt
Wird es ein Paradies auf Erden sein
Schaue nach dir selber, wenn du dich selbst verstehen willst
Entdecke die Beziehungen und Muster in der Weise, wie dein Nächster,
Die Städte und Nationen miteinander umgehen
Denn was im Kleinen ist, ist auch im Grossen
Wie weiß ich, dass es so ist?
Weil ich das selbst getan habe



55

Der wahrhafte Mensch ist wie ein neugeborenes Kind
Wespen und Skorpione stechen es nicht, Schlangen und Otter beißen es nicht
Raubvögel und wilde Tieren greifen es nicht an
Seine Knochen und Muskeln sind weich und geschmeidig, doch greift es schon kräftig
Sex und Libido sind ihm fremd und doch kann sein Pimmelchen schon steif werden
Das ist, weil seine Natur noch nicht von Gedanken gestört ist
Es kann den ganze Tag schreien, ohne heiser zu werden
Das ist, weil alles noch vollkommen im Gleichgewicht ist
Leben ohne Vergangenheit und ohne Zukunft wird „weise sein“ genannt
Zu versuchen, das Leben zu verlängern, ist heillos
Wer sein Leben beherrschen will, tut sich selbst Gewalt an
Dass Dinge und Menschen altern ist unnatürlich
Was unnatürlich ist, wird frühzeitig ans Ende kommen



56

Diejenigen, die das Mysterium erfahren, reden darüber nicht
Diejenigen, die darüber reden, haben das Mysterium nicht erfahren
Versuche nicht, über das Unaussprechliche zu reden,
Das was nicht gesehen, gehört, betastet oder gekostet werden kann
Die Formen verwischen sich,
Die Ränder schwächen,
Die Verwirrung verschwindet,
Das Licht erblasst,
Die Unruhe erlischt
Das nennt man „das Mystische erfahren“
Weder Zuneigung noch Hass kann sie beeinflussen
Weder Vorteil noch Nachteil kann sie berühren
Ehre und Schande lassen sie kalt
Darum sind sie die edelsten Menschen in der Welt



57

Mit Gesetzen regiert man ein Staat
Mit Listen führt man Krieg
Ohne Gesetze und Listen bekommt man ein friedliche Welt
Wie weiß ich, dass es so ist?
Also, wegen dem Folgenden:
Je mehr Gebote und Verbote, desto gezwungener werden die Menschen
Je mehr Bewaffnung, desto größer die Unordnung
Je mehr Kenntnis und Wissenschaft, desto mehr Apparate und Künstlichkeit
Je mehr Gesetze und Beschlüsse, desto mehr Diebe und Räuber
Wer weise ist sagt also:
Ich tue gar nichts und die Menschen werden sich von sich selbst aus ändern
Ich liebe die Ruhe und von sich selbst aus werden die Menschen ehrlich
Ich mache keine Problemen und die Menschen werden den Reichtum in sich selbst finden
Ich will gar nichts und die Menschen werden wieder zur Einfachheit kehren



58

Je weniger Regeln und Gesetze, desto glücklicher die Menschheit
Je mehr Regeln und Gesetze, desto mehr Unfriede und Elend
Reichtum für die einen geht immer auf Kosten der anderen
Elend für die einen, ist die Folge von Wohlstand der anderen
Wann wird das jemals ein Ende nehmen?
Wer weise ist, ist gerecht und beteiligt sich nicht daran
Er ist ohne Umschweife und kränkt nie
Er ist strahlend, aber blendet nicht



59

Um die Menschheit in Frieden leben zu lassen, ist Enthaftung ein Erfordernis
Denn nur wer enthaftet ist, kann wahrhaft leben
Bevor das Sterben alles loslassen lässt, sollte ein Mensch gerecht leben
Wer gerecht ist, kennt kein Probleme
Für denjenigen, der keine Probleme kennt, ist das Leben unbegrenzt
Für denjenigen, der grenzenlos ist, ist die Welt sein Haus
Wer sich als eins mit der Schöpfung erfährt, lebt lange und glücklich
Dann bist du wieder verwurzelt und stehst mit beiden Füssen auf der Erde
Nur so wirst du lange und glücklich leben und alles verstehen



60

Dafür sorgen, dass die Menschheit in Frieden lebt, ist ein Kinderspiel
Wenn Gerechtigkeit der Leitfaden ist, finden Wahnideen keinen Anklang
Nicht, dass dann manchmal doch wieder Wahnideen auftauchen können
Aber die Menschen sind nicht mehr empfänglich dafür
Wahnideen beschädigen die Menschen und wer weise ist, zeigt ihnen das
Darum ist derjenige, der weise ist, eine Bedrohung für Wahnideen,
Aber keine Bedrohung für die Menschen
Dadurch werden auch sie weise werden



61

Wenn die Menschheit in Frieden lebt
Gibt es keine Vorgesetzten oder Untergebenen
Es ist wie ein großer Fluss,
Worin alle Nebenflüsse zur Ruhe gekommen sind
Das Wüste kommt zur Ruhe im Friedlichen,
Weil es gefasst ist und am bescheidensten
Darum ist derjenige, der der Mindeste ist,
Durch seine entwaffnende Einfachheit einnehmend für seine Mitmenschen
So gereicht es beiden zum Heil
Also: wer groß scheint, muss klein werden



62

Alles neigt zum ursprünglichen Gleichgewicht
Es ist die Glückseligkeit für den wahrhaften Menschen
Es ist die Zuflucht für den unwahrhaften Menschen
Aber die Menschen prunken mit ihren schönen Schätzen
Sie tun Gutes im Tausch für Dankbarkeit
Jedermann macht das, warum also solltest du das denn nicht mitmachen?
Darum jauchzen die Menschen für neue Führer
Und lassen sich imponieren von Pracht und Prunk
Aber es ist weise, das nicht mit zu machen
Denn weißt du, warum die Weisen von einst die Einfachheit so wichtig fanden?
Weil sie erfahren hatten, dass wer die Einfachheit emsig sucht, sie schließlich finden wird
Und dass die Wahrheit frei macht von Vergangenheit und Zukunft
Darum ist Einfachheit das Wichtigste in der Welt



63

Handle ohne Absicht
Höre auf mit der Arbeit
Genieße nur das Leben
Wer das Kleine nicht ehrt, ist des Grossen nicht wert
Kein Auge um Auge und Zahn um Zahn,
Aber kehr deine andere Wange zu
Sieh, wie einfach ist, was kompliziert scheint
Sieh die Größe in dem, was winzig scheint
Mache die Einfachheit nicht kompliziert
Einfach leben ist einfach
Aber die Menschen haben es kompliziert gemacht
Wer weise ist, tut deshalb nicht schwieriges
Und darum kann er Berge versetzen
Wer viel verspricht, dem wird wenig geglaubt
Wer Scheuklappen trägt, begegnet vielen Probleme
Aber wer weise ist, besinnt sich, bevor er anfängt
Darum fängt er nicht an
Und darum hat er keine Probleme



64

Ruhe ist einfach zu wahren
Was geschehen könnte, ist einfach zu verhüten
Was brüchig ist, ist einfach zu brechen
Was noch klein ist, ist einfach zu vertreiben
Ein großer Baum fängt an als kleiner Keimling
Ein Terrassengarten als kleiner Haufen Erde
Ein Reise von tausend Meilen mit einem ersten Schritt
Wer die natürliche Ordnung stört, beschädigt sich selbst
Wer eingreift, verliert sich selbst
Wer weise ist, verzichtet darauf
Darum schadet er sich selbst nicht und bleibt er selbst
Aber die Menschen machen alles kaputt und nennen das Fortschritt
Haben sie einmal angefangen, dann ist das Ende fort
Wer weise werden will, strebt danach, wonach die anderen nicht streben
Und hält für wichtig, was die anderen für unbedeutend halten
Er gewöhnt sich ab, was die anderen erlernen
Und kehrt zurück zu dem Zustand, den die anderen verlassen haben
Dann kennt er den Weg zurück zu dem Ursprung
Aber sieht ein, dass die Menschen das nicht hören wollen



65

Die Weisen von einst, die den geraden und einfachen Pfad gingen,
Brachten den Menschen keine Kenntnis, aber Weisheit bei
Wenn Menschen viel wissen, ist die Einheit nicht zu erhalten
Daraus folgt, dass Wissenschaft die Zusammengehörigkeit zerbricht
Und dass Weisheit die Zusammenhörigkeit schützt
Wie einsieht, dass es so ineinander steckt,
Begreift, dass Weisheit und Kenntnis gegensätzlich sind
Wer das verstanden hat, ist weise
Und so kehrt er zurück zu der Einfachheit
Und fühlt sich eins mit allem und allen



66

Warum sind die Meere und Flüsse die größten unter den Gewässer?
Weil sie sich auf den niedrigsten Stellen befinden
Darum sind sie die größten
Wer weise ist inmitten von Toren, ist deshalb der Geringste
Und gerade darum ist er der größte
Aber die Toren sehen in ihm keine Bedrohung
Sie verstehen ihn nicht und negieren ihn
Weil er mit keinem streitet, ist er nicht zu bestreiten



67

In der Welt bin ich groß, aber für die Menschen ein Versager
In meiner Größe bin ich anders als alle anderen, darum bin ich groß
Wenn ich wie die anderen wäre,
Dann würde ich ebenso unbedeutend und unscheinbar sein
Ich habe drei kostbare Schätze, die ich hege:
Der erste ist Erbarmen
Der zweite ist Genügsamkeit
Der dritte ist Bescheidenheit
Durch mein Erbarmen kann ich mutig sein
Weil ich genügsam bin, kann ich uneigennützig sein
Weil ich bescheiden bin, kann ich vorangehen
Aber wer sein Erbarmen fahren lässt und doch mutig sein will,
Wer verzichtet auf seine Genügsamkeit und doch uneigennützig sein will,
Wer aufhört, bescheiden zu sein und doch wichtig sein will,
Wird es nicht schaffen können
Wer kämpft mit Erbarmen, wird siegen
Er braucht sich nicht zu verteidigen, denn er ist nicht verletzbar
Das Unaussprechliche wird ihn mit Erbarmen beschützen



68

Wer kämpft für den Frieden ist gewaltlos
Der wahrhafte Kämpfer ist unerschütterlich
Der wahrhafte Sieger macht keinen Krach
Der wahrhafte Führer ist der Geringste
Das nennt man gewaltlose Wehrhaftigkeit
So nimmst du Menschen für dich ein
Das heißt „leben nach deiner Natur“
Das ist die Vollkommenheit, über die die Weisen von einst redeten



69

Wer verstanden hat, dass Streit niemals etwas löst,
Fängt damit nicht mehr an und wartet lieber ab
Lieber macht er einen Schritt zurück und zieht sich zurück
Das nennt man siegen, durch verlieren
Kraft zeigen, ohne imponieren
Standhalten, ohne den Kampf auf zu nehmen
Nichts ist unheilvoller, als deinen Feind zu unterschätzen
Wer seinen Feind unterschätzt, setzt sich der Gefahr aus
Darum ist derjenige, der sich durch Erbarmen führen lässt,
Der Sieger im Konflikt



70

Meine Worte sind leicht zu verstehen
Und einfach in die Praxis umzusetzen,
Trotzdem will keiner in der Welt sie hören
Und keiner fühlt sich imstande, danach zu leben
Meine Worte haben einen Ursprung, meine Lebensweise hat ein Prinzip,
Aber weil die Menschen nicht wagen, das zu sehen, können sie mich nicht begreifen
Es sind nur wenige Menschen, die mich verstehen und für sie bin ich sehr wertvoll
Wer weise ist, benimmt sich also unauffällig, aber er bleibt er selbst



71

Einsehen, dass du nichts wissen kannst, das ist weise
Wer nicht begreift, dass er nichts wissen kann, ist verrückt
Wer einsieht, dass er verrückt ist
Kann sich von seiner Verrücktheit entäußeren
Wer weise ist, ist nicht mehr verrückt,
Weil er sich von sein Verrücktheit entäußert hat
Darum ist er klar



72

Wenn die Menschen nicht mehr wissen, wovor sie Angst haben müssen,
Werden sie in unbestimmter Angst leben
Warum finden sie sich ab, mit ihrem armseligen Bestehen?
Warum sehen sie nicht, wie fabelhaft das Leben ist?
Warum haben sie nicht den Mut, sich dem Trott zu entreißen?
Wer weise ist, hat das verstanden, aber tut sich da nicht groß mit
Er genießt es, aber hält es nicht für eigenen Verdienst
Er lässt das alte Leben hinter sich und umarmt das wahrhafte Leben



73

Mut haben und übermütig sein führt zum Tod
Mut haben und behutsam sein erhält das Leben
Der eine Fall ist heillos, der andere heilvoll
Nur wer weise ist, versteht den Lauf der Dinge
Darum greift er nicht ein
Die ewigen Gesetze der Natur lassen sich übertreten
Aber gewinnen doch immer
Sie lassen sich nicht hören, aber geben doch Antwort
Sie rufen nicht, aber jedermann begegnet ihnen
Wie ein Netz überspannt die ursprüngliche Ordnung das Universum
Die Maschen scheinen weit, aber nichts kann da hindurch



74

Wenn die Menschen den Tod nicht fürchten
Wie soll man sie dann noch mit dem Tod bedrohen können?
Wenn die Menschen ja doch Angst haben vor dem Tod
Und man würde derjenigen töten, die die Gesetzen übertreten,
Wer wurde es dann noch wagen, die Gesetzen zu übertreten?
Aber es ist nur einer, der verfügt über Leben und Tod
Wenn Menschen sich das Recht aneignen, zu verfügen über Leben und Tod,
Setzen sie sich auf den Stuhl des Einen
Dann verhalten sie sich wie des Zauberers Lehrling,
Der sich vergreift an dem Werk des Meisters,
Zu ihrem eigenen Unheil



75

Die Menschen hungern,
Weil die Reichen sich über ihren Rücken her bereichern
Darum hungern die Menschen
Die Menschen sind nicht in der Gewalt zu halten,
Weil ihren Führer nur etwas schlampen
Darum sind die Menschen nicht in der Gewalt zu halten
Die Menschen haben kein Angst vor dem Tod,
Weil sie so nicht leben wollen
Darum haben sie kein Angst vor dem Tod
Nur wer keine Angst hat vor dem Leben,
Hat keine Angst vor dem Tod



76

Wenn der Mensch geboren wird, ist er geschmeidig und schwach
Wenn er stirbt, ist er starr und steif
Alles was lebt, schau nur das Gras oder die Bäume an,
Ist geschmeidig und biegsam
Erst wenn sie absterben, sind sie geschrumpft und ausgetrocknet
Darum sind Härte und Unbeugsamkeit Gefährten des Todes
Und Geschmeidigkeit und Zartheit die Gefährten des Lebens
Darum wird ein unbiegsamer Zänker nicht siegen
Und ist ein unbiegsamer Baum dem Tode verfallen
Mit Unbiegsamkeit und Macht kommt man nicht weit
Mit Geschmeidigkeit und Zartheit kommt man überall hin



77

Die natürliche Ordnung ist wie ein Bogen
Der niedrige Bogen wird nach oben gedrängt
Die hohe Bogensehne herunter gezogen
Wo zuviel ist, nimmt es ab
Wo zuwenig ist, füllt es aus
Die Natur strebt immer nach Harmonie
Vermindert, wo zuviel ist
Vermehrt, wo zuwenig ist
Aber wie anders verhalten die Menschen sich?
Die Armen werden ärmer und die Reichen werden reicher
Aber wer weise ist, sieht ein, dass Besitz Diebstahl von der Gemeinschaft ist
Und deshalb verzichtet er darauf und gibt es zurück an die Gemeinschaft
Also ist nur, wer weise ist, enthaftet und frei
Er tut nur was andere von ihm wollen, aber nichts für sich selbst
Und bildet sich auf nichts etwas ein



78

Nichts in der Welt ist sanfter und nachgiebiger als Wasser
Nichts ist stärker im Brechen von dem, was hart und stark ist
Nichts kann es darin übertreffen
Das Schwache überwindet das Starke
Das Weiche überwindet das Harte
Niemand, der das nicht weiß
Niemand, der das in die Praxis umsetzt
Darum sagt der Weise:
Wer in der Welt der Geringste ist, ist der weiseste auf Erden,
Wer das Leid der Welt auf die Schultern trägt, ist der größte unter den Menschen
Es scheint merkwürdig, aber es ist wahr



79

Wird nach einer heftigen Feindschaft Frieden geschlossen,
Dann ist das nur ein bewaffneter Frieden
Das kann doch nicht gut sein
Wer weise ist, sieht in einem Konflikt nur seinem eigenen Anteil ins Auge
Und gibt der Gegenpartie nicht die Schuld
Also, wer ehrlich ist schaut nur nach seinem eigenen Anteil,
Während derjenige, der nicht nach sich selbst schauen will, dem anderen die Schuld gibt
Der Weg zur Selbstkenntnis kennt keine Parteilichkeit,
Aber ist nur den Aufrichtigen zu Gunsten



80

Möge die Menschheit wieder in Freiheit, Gleichheit und Brüderschaft leben,
So dass da kein Bedürfnis ist nach Führern und Vorgesetzten,
Dann werden die Menschen den Tod nicht mehr fürchten
Und nicht mehr versuchen, dem Tod zu entfliehen
Möge es wieder so werden, dass sie kein Bedürfnis mehr haben,
Sich in Fahrzeugen fort zu bewegen
Und dass sie nichts mehr zu verteidigen haben,
Mögen die Menschen wieder verzichten auf ihre Werkzeuge und Apparate
Und die saatbringenden und fruchtbringenden Gewächse genießen,
Die ihnen zur Nahrung dienen
Und wieder schamlos stolz sein auf ihre natürliche Schönheit
Mögen sie sich nicht mehr einschließen in ihren Städten und Häusern,
Sondern nur die Schöpfung genießen
Und sollte es doch noch Tore geben, die sich in Unfreiheit,
In Nationen, Völker, Städte und Häuser einschließen werden,
Mögen die Weisen sich dann davon fernhalten



81

Wahrhafte Worte sind nicht angenehm
Schöne Worte sind nicht wahrhaft
Weise reden nicht über das Unaussprechliche
Wer über das Unaussprechliche redet, ist nicht weise
Weise sind nicht gelehrt
Und Gelehrte sind nicht weise
Wer weise ist, häuft keinen Besitz an
Er gibt, was er hat
Und ist deshalb wert, dass er lebt
Die anderen lässt er teilhaben an seiner Weisheit
Seine Weisheit ist unerschöpflich
Leben nach der Natur schadet niemals
Das Leben der Weisen ist uneigennützig und friedsam

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