Hijaa Machuu35 Jahre Kampfkunst im Erzgebirge seit 1983

Kanji Titel

独逸白鶴手拳法古武術協会

doitsu hakucho te kenpo kobujutsu kyokai – G.H.T.K.A.

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Hijaa Machuu

比嘉松親雲上

Der Fehler

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In vielen Karatebüchern und auf vielen Karatewebseiten wird Matsu Higa erwähnt und mit einem Foto abgebildet. Er soll ca. 1790 bis 1870 gelebt haben. Nun ist mir doch schon vor Jahrzehnten aufgefallen, daß Fotografie erst 1815 erfunden wurde und das älteste erhaltene Foto, weltweit, aus 1826 stammt. In Japan entstanden zwar schon 1850 erste Fotografien, aber ein Foto von Higa würde einen mindestens sechzigjährigen Mann zeigen. Das, in allen einschlägigen Büchern, verwendete Bild zeigt, meiner Meinung nach einen Mann, welcher allerhöchstens in den Mittdreißigern, wahrscheinlich erheblich jünger ist.

Kurz und gut: Das Foto von Higa zeigt weder die erwähnte Person, noch eine früher lebende, eventuell aber einen Nachkommen.

Pēichin親雲上

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Im allgemeinen und vor allem in den historischen Texten wird ein Mann namens Higa Pēichin erwähnt, dessen Spitz- und Rufname Hijaa Machuu松馬祖 war.

Pēichin oder Peikumi ist ein Rang der Yukatchu-Kaste良人 in der Ryūkyū-hierarchie琉球國. Es handelt sich um Gelehrtenbeamte, meist im Verwaltungsapparat Beschäftigte oberhalb des Ranges eines Satunushi里之子 und unterhalb des Ranges eines Ueekata親方. Der Rang des Pēichin wurde nochmals unterteilt in Chikudun Pēichin筑登之親雲上, Satunushi Pēichin里之子親雲上, Pēichin. Als Verwalter des Königs für Dörfer, Städte, Regionen oder Inseln reisten sie häufig und ihnen stand Dienstpersonal zu.

Higa Pēichin war Verwalter der Insel Hamahiga (Shima)浜比嘉島. Somit kann geschlußfolgert werden, daß sein Name sich aus der Insel und dem Rang zusammensetzt (Hamahiga Pēichin, Higa ist die Kurzform des Inselnamens) und Higa Matsu / Hijaa Machuu sich ebenfalls auf die Insel bezieht (Matsu aus [Hama-]Higa). Matsu/Machuu bedeutet "Kiefer/Pinie".

Auf dem oben erwähnten Foto ist kein Pēichin zu sehen, da er sicherlich in offizieller Kleidung abgebildet wäre, zu der eine Kopfbedeckung entsprechend seines Ranges gehört.

Zwei Higa Pēichin's oder mehr?

Es gibt zwei historisch verbürgte Higa Pēichin.

1

Der Erste (1663–1738) war ein begnadeter Go-spieler. Er begleitete im Jahre 1682 König Shō Tei尚貞 (1645–1709) auf dem Tributsbesuch bei Shôgun Tokugawa Tsunayoshi将軍徳川綱吉. Nachdem das Ruuchuu kuku琉球國 - das Königreich Ryūkyū - 1609 durch die Invasion der Satsuma han薩摩藩 faktisch in japanische Hände fiel und damit die Könige von Ryūkyū zu Vassallen wurde, kam es auf 1634, 1682 und 1710 zu ersten erwähnten Goduellen, zwischen okinawanischen und japanischen Meistern. Das Duell 1682 bestritt Higa Pēichin auf ausdrücklichen Wunsch und bat dafür schriftlich um Erlaubnis beim Shogun. Er trat gegen Nago Ôji Chôgen an und verlor.

Verschiedene Quellen, unter anderen im Buch Ryukyu Kobudo Taikan von Shinken Taira平信賢, meinen, daß er, zeitlich stimmig, Schüler des chinesischen Gesandten Zhang Xue Li, welcher in Kuninda residierte. Dieser gehörte zu einer botschaftlichen Gesandtschaft der Qīngcháo清朝, welche von Wang Ji汪楫 angeführt wurde. Wang Ji, Schriftgelehrter und Poet, lehrte den Edelleuten in Tumai Báihèchuán白鶴拳. Sein offizelles Vermächtnis ist eine (wahrscheinlich von seinen Schülern kreierte) Form Wanshū腕秀. Sein inoffizelles Vermächtnis ist weitaus größer und tiefgreifender, da er seinen Stil vermutlich vollständig weitergab und damit die bestehende Kampfkunst in Okinawa maßgeblich veränderte und ihre Entwicklung beeinflußte. Unter seinen Schüler befand sich sicherlich auch Hijaa Machuu, welcher selbst nicht nur eine Stockform, eine Saiform und eine Tunfaform mit eindeutigem Báihèchuán-Hintergrund weitergab, sondern auch die ursprüngliche Sanchin, Tsuki no Kata und die Form "Ekkin kyō Daruma" - ein Version des Yìjīnjīng易筋經, deren Spuren noch heute in den Formen des okinawanischen Karate zu finden sind.

Hijaa Machuu gab seine Wissen sicherlich innerhalb der Familie weiter und außerdem an Takahara Pēichin高原親雲上 (1683-1760). Dieser war wohl auch ein Schüler von Yara Guwa Ueekata高原親雲上 (1668–1756), welcher fast gleichaltrig mit Machuu war und bei einem Wong Chung-Yoh Kampfkunst erlernte. Wong Chung-Yoh war ein zwar Meister des Xíng Yì Chuán形意拳, aber es kann davon ausgegangen werden, daß er wesentlich mehr lehrte. Yara Ueekata erlernte bei ihm z.B. eine Stock- und eine Saiform.

Ob es sich bei Wang und Wong um die selbe Person handelte, ist nicht nachzuvollziehen.

Der zweite, erwähnte Hijaa Machuu lebte von 1790 – 1870 und sorgt deshalb für Verwirrung in der Karatewelt. Denn es gilt als allgemeiner Konsens, daß Hijaa Machuu der Lehrer von Takahara Pēichin war, aber angesichts seines Lebenszeitraumes nicht sein kann, da bei seiner Geburt Takahara schon dreißig Jahre tot war.

Dabei liegt des Rätsels Lösung offen auf der Hand: Der Hijaa Machuu, der Zweite war ein Nachfahre der vielleicht 5. Folgegeneration. Was spricht dafür? Die Kampfkunst wurde in vollständiger Form nur innerhalb der Familie weitergegeben, oft war es das Erstgeborenenrecht. Aber auch der Pēichin-Titel war erblich. Sein Kind nach dem Großvater zu nennen oder die Angewohnheit innerhalb des Dorfes den Sptznamen des Großvaters bzw. Vaters weiter zu verwenden (auch wenn dieser nicht mehr zutrifft), ist weltweit so verbreitet, daß es nicht außergewöhnliches darstellt.

Das bedeutet, im Umkehrschluß, daß es mehr als einen, vielleicht sogar eine ganze Reihe von Hijaa's gab.

Der Dritte ?

Dr. D. Raimundo Felix Pereda Y Benitez erstellt ein Manuskript über das Tōu Dīi唐手, welches ihm von einem gewissen "Matchu Higa" während mehreren Besuchen auf Okinawa übermittelt wurde. Angesichts seiner Angabe, daß er 1860 dessen Bekanntschaft machte, kann es sich um den "Zweiten" in hohem Alter gehandelt haben, oder aber um dessen Sohn oder Enkel.

Somit sind schlußendlich mindestens zwei, aber wahrscheinlicher eher drei "Hijaa's" schriftlich belegt.

Meiner Meinung nach ist es die älteste, vom chinesischen Chuán Fǎ, insbesondere des Míng Hè Chuán鳴鶴拳 und des Xíng Yì Chuán, beeinflußte Dīi(Te)-Linie auf Okinawa und legte die Grundlage für 99% aller nachfolgenden Schulen und Stile.

Dieser letzte Hijaa ist, dann jener auf dem ständig verwendeten Foto.

Zusatz

Laut Pereda überlieferte Hijaa folgende Formen:

  • Tsuki no kata
  • 5 Hakutsuru sanchin
  • Yabu no kata
  • 2 Kushanku
  • 2 Koryu no kata
  • 3 Nakashima
  • Ekkinkyo Tamo
  • Nichoshurigama

Unsere Hakucho sanchin ist eine Version der Hakutsuru sanchin.

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