Naifanchi38 Jahre Kampfkunst im Erzgebirge seit 1980

Kanji Titel

独逸白鶴手拳法古武術協会

doitsu hakucho te kenpo kobujutsu kyokai – G.H.T.K.A.

Name

Der am häufigsten benutzte Name der Form ist《Naihanchi(n)》. Die dafür korrekten japanischen oder chinesischen Zeichen1 sind nicht überliefert. Wikipedia gibt folgende Schriftzeichen an: 「内歩進,内畔戰,内範置」bzw. die entsprechenden Katagana 「ナイハンチ,ナイハンチン,ナイハンチェン」, welche《Naihanchi》, 《Naihanchin》, 《Naihanchen》 ausgesprochen werden. In den Ryukyu-Dialekten wechselt die Silbe 《han》zu 《fan》.

Als Übersetzung wird häufig „seitwärts kämpfen“ angegeben. Dies ist aus zwei Gründen offensichtlich ein Übersetzungs- oder Denkfehler. Erstens hat das Schriftzeichen 「内」 [Pinyin: »nèi« bzw. »nà(i)«] nichts mit „Seite“ oder „seitwärts“ zu tun, sondern bedeutet „innen“. Die Schriftzeichen 「歩」- »bu« bedeuten „gehen“, 「畔」 - »pàn« - „Feldweg“, 「範」- »fàn« - „Muster“ oder „kontrollieren“, 「進」- »jìn« - „fortschreiten“, 「戰」 - »zhàn« - „Kampf“ 「置」- »zhì« - „einsetzen, etablieren“. Den zweiten Grund erläutere ich weiter unten.

In Amerika ist die Übersetzung „interner geteilter Konflikt“ üblich, das würde »nèifēnzhàn« gesprochen und「内分戰」 geschrieben. In Japan und Europa wird fast ausschließlich der neue Name 《Tekki「鉄騎」》verwendet. Er bedeutet „Eisenreiter“ und wurde von 《Funakoshi Gichin「船越義珍」》 eingeführt.

Ich bevorzuge nach mehr als 30 Jahren Recherche und unter Berücksichtigung der „13 Prinzipien“, die okinawanische Aussprache »nàifànchi« in Verbindung mit den Schriftzeichen 「内範置」, was soviel bedeutet wie: „Die innere Form/Struktur einsetzen“.

Herkunft

Naifanchi in ihren ersten Formen war allem Anschein nach sehr umfangreich und soll nur in eine Richtung (vorwärts) ausgeführt worden sein, ein Richtungswechsel fand demnach nur aus Platzmangel statt.

Naifanchi kam aller Wahrscheinlichkeit nach mit 《Ason》「朝臣」 nach 《Okinawa3「沖縄県」》, seine Version geht aber mit 《Tomigusuku Oyakata》verloren. 《Higaonna Kanryō「東恩納寛量」》 lernte in jungen Jahren eine Naifanchi, vielleicht von 《Arakaki Seishō「新垣世璋」》, diese gilt seit dem als älteste Version und wird Koshiki naihanchi genannt, jedoch auch sie ist nicht vollständig erhalten geblieben. Die älteste Referenz erscheint in Aufzeichnungen von《Motobu Chōki「本部朝基」》, 1920 in seinem „Okinawa Kenpō Tote Jutsu「沖縄拳法唐手術」”. Er erwähnt das die Form aus China stammt, dort aber nicht mehr praktiziert würde.

Eine andere Geschichte besagt, daß die Naifanchi auf eine ebenfalls aus China stammende Nifanchi zurückgeht und eine weitere Geschichte, daß im《Bàn qiū bàn Báihèchuán「半丘半白鶴拳」》 eine 《Neixi「内膝」》existiert, welche in Minnan8 auch »Nô̤ipānchì« heißt. Als weitere Überlieferer einer Naifanchi gelten: 《Matsumura Sōkon「松村宗棍」, Peichin Sakuma, Matsumora Kosaku》. Matsumura gab sie an außer an Motobu auch an 《Itosu Anko「糸洲安恒」》weiter. Itosu soll auch von Higaonna gelernt haben.

 

Daß die Form chinesischen Ursprungs ist, steht außer Frage, ebenso, daß sie über Fuzhou9 「福州市」nach Uchināa. Die Wurzeln der Form liegen nahezu zweifelsfrei im Báihèchuán, wenn sie von Ason stammt, der als Báihè-Meister beschrieben wird. Sie hat zwangsläufig Änderungen und Einflüße, in Abhängigkeit des Verständnisses und der Intentionen ihrer Überlieferer, erfahren.

Dreiteilung

Daß nicht nur die moderne Tekki, sondern auch die heutigen Formen der Naifanchi aus 3 Teilen bestehen, rührt von Itosu her, welcher die Form aufspaltete, als sie noch nicht umbenannt war. Seine Gründe dafür, waren die gleichen, wie für alle Änderungen, die er einführte und verbreitete: nämlich die Militarisierung des Karate. Das ich sein Vorgehen aus diesem Grund mißbillige, versteht sich von selbst. Für wesentlich schlimmer halte ich jedoch die Auswirkung auf die Form selbst, denn die Teilung zerreißt auch den Qifluß「氣流」 und schwächt nicht nur die Form, sondern auch seinen Interpret.

Parallelen

In den Formen des Karate gibt es viele, auch stilübergreifende Parallelen. Das liegt begründet in gemeinsamen Wurzeln und dem Austausch von Wissen und Erfahrung der Meister untereinander. Die neueren Versionen der Naifanchi weisen kaum Parallelen zu anderen Formen auf. Mit den unbekannteren älteren Versionen verhält es sich vermutlich etwas anders.

Sie weist einige, für meine Begriffe, auffällige Ähnlichkeiten zur klassischen《Sanchin1「三戰」》 auf. Darunter fallen Stand, Wendung, Armhaltung, Atmung. Diese Ähnlichkeiten führe ich auf Higaonna zurück. Desweiteren bestehen Parallelen zur 《Kūshankū「公相君」》in ähnlichen Bildern.

Es muß ungefähr 1992 gewesen sein, als ich eine ziemlich seltsame Naifanchi vorgeführt bekam, sie wurde anders genannt, aber ich verstand den Namen nicht. Ich kannte damals nur die 3 Tekki und erkannte die Ähnlichkeit, allerdings fiel mir auf , daß weitere Elemente intergriert waren, welche ich aus anderen Formen kannte. Ich vermutete damals, daß der Vorführende Techniken aus 《Pinan「平安」》, 《Passai「拔塞」》, Kūshankū usw. mit der Naifanchi vermischte. Aus heutiger Sicht bin ich anderer Meinung. Ich tendiere eher dazu, das diese Elemente vor langer Zeit aus der Naifanchi in andere Formen gelangte, wobei Itosu wohl einen erheblichen Anteil daran hatte. Beispielsweise halte ich die Anfangsbilder aller Pinan, welche auf einer Linie, links-rechts ablaufen, für Bestandteile der alten Naifanchi und nicht, wie behauptet, der Kushanku. Daraus resultiert mein Entschluß diese Elemente in „meine“ Naifanchi „zurück“ zu fügen.

Bedeutung

〝唐手は内範置で始まり、内範置で終わる。〞 - „Karate beginnt und endet mit Naihanchi.“ war eine gängige Redewendung der alten Meister bevor „Naihanchi“ durch „Sachnin“ ersetzt wurde. Dieser Satz hat seine Berechtigung darin, daß diese Form alle Grundlagen des Karate beinhaltet und in ihren Gründzügen relativ leicht zu erlernen ist. Wie jede alte Form offenbart sie ihre ″Geheimnisse″ in den Jahren ihrer Ausübung, sodaß sie dabei zu einem grundlegenden Verständnis aller Formen und Prinzipien führt.

Prinzipien

Naifanchi gehört zu den alten Formen, in denen alle 13 Prinzipien gleichermaßen betont sind.

Stand

Naifanchi in ihrer heutigen Form kennt nur zwei Fußstellungen: den parallen Stand und den Kreuzschritt. Das bedeutet in keiner Weise, daß in älteren Versionen nicht andere Stände benutzt wurden. Folgende Diagramme zeigen einige Möglichkeiten (die grau hinterlegten Füße entsprechen der natürlichen Fußstellung1):

  • 一 Bild 1 – Naihanchidachi 「内範置立ち」- Naihanchistand
  • 二 Bild 2 – Uchihachjidachi「内八字立ち」- Innen-Acht-Stand
  • 三 Bild 3 – Sanchindachi 「三戰立ち」- Sanchinstand
  • 四 Bild 4 – Zenkutsudachi 「前屈立ち」- Vorwärtsstand

Naifanchidachi Uchihachijidachi Sanchindachi Zenkutsudachi

Form in Bildern

Im Gegensatz zur verbreiteten Lehrmeinung besteht eine Form nicht aus Techniken (Lehrer, welche dies unterrichten, sollte man einfach verlassen ...) , sondern aus Prinzipien, welche in "Bildern" oder einfacher ausgedrückt: Mustern, zusammengefaßt sind.

Eine solche Bilderfolge findest Du hier >>>.

 

Fragen

Es gibt Fragen zur Naifanchi, welche nicht oder nur unzulänglich beantwortet werden können:
Wer war ihr Schöpfer?
Was war der ursprüngliche Stand?
Aus wieviel Bildern bestand sie?
Seitwärts oder vorwärts oder?

Anhang

Schriftzeichen

  • 内 - piny: »nèi« - kant: »noi« - ming: »nô̤i« - minn: »lǎi« - hakk: »nui« - deut: »innen«
  • 歩 - piny: »bù« - kant: »bou« - ming: »buô« - minn: »pō͘« - hakk: »phu« - deut: »gehen«
  • 進 - piny: »jìn« - kant: »zeon« - ming: »chìn« - minn: »chìn« - hakk: »?« - deut: »eintreten«
  • 畔 - piny: »pàn« - kant: »bun« - ming: »phoān« - minn: »phoān« - hakk: »?« - deut: »Feldweg«
  • 戰 - piny: »zhàn« - kant: »zin« - ming: »chiéng« - minn: »chiàn« - hakk: »chan« - deut: »Kampf«
  • 範 - piny: »fàn« - kant: »faan« - ming: »huâng« - minn: »pān/hoǎn« - hakk: »fam« - deut: »kontrollieren/Muster«
  • 置 - piny: »zhì« - kant: » zi« - ming: »tzhì« - minn: »tì« - hakk: »chṳ« - deut: »etablieren«
  • (Abkrz. Dialekte: piny = Mandarin Pinyin, kant = Kantonesisch, ming = Min Dong, minn = Minnan, hakk = Hakka)

Erklärung

Diese Ausarbeitung ist nicht abgeschlossen. Sie kann unter http://pdf.germankenpo.de/gk_katanaifanchi_mg.pdf kostenlos bezogen werden. Mehr Dokumente gibt es unter http://www.germankenpo.de/Dokumente/pdf.html (Anmeldung erforderlich, kann per Email erfragt werden). Fragen, Kritik, etc. an mail@mgb.germankenpo.de

Rechte

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