Sanchin38 Jahre Kampfkunst im Erzgebirge seit 1980

Kanji Titel

独逸白鶴手拳法古武術協会

doitsu hakucho te kenpo kobujutsu kyokai – G.H.T.K.A.

Sanchin

 Sanchin Kata

三戦三戰三進衫戰

 

Offizielle Beschreibungen:

Sanchin (jap. サンチン, 三戦1) ist eine Kata im Karate. Sie wurde von Higaonna Kanryō aus China zurückgebracht (Shiba louhan chuan, Stil der 18 Arhats, jap. 十八羅漢拳, Jūhachi-rakan-ken).

Varianten

Von der Kata Sanchin existieren zwei Versionen (im Goju-Ryū): eine ältere mit zwei eingebauten Drehungen und eine modifizierte, beide von Chōjun Miyagi, mit reinem Vor- und Zurücklaufen.

Bedeutungen

Wörtlich: "3 Kriege", "3 Konflikte", "3 Schritte", "3 Kämpfe" oder "3 Stufen", "3mal Anspannen"

Andere Aussprachen für Sanchin: Saam Chien, Sam Chiem, San Chian, San Shin, San Zhan

Herkunft

Sie kommt mit großer Sicherheit aus Fujian (福建省Fukien).

Cheung Siu-Shu ein Schüler von Fāng Qī Niáng 方七娘, der Begründerin des Baihequan「白鹤拳」 soll diese Form oder eine Variante entwickelt haben.

Es heißt Higashionna Kanryō lernte eine Form von Sanchin in Kumemura「久米村」 von einem Chinesen noch bevor er nach China reiste. In China könnte er anderen Sanchin-Formen begegnet sein und auch erlernt haben. Er ist mit großer Wahrscheinlichkeit „einer“ Happoren begegnet, hat aber nur die einfache Form gelehrt. Kanryō Higashionna führte die Kata ursprünglich mit offenen Händen aus, so wie sie im Uechi-Ryū noch heute ausgeführt wird. Miyagi Chōjun veränderte die Kata zu einer Kata mit geschlossener Hand, wohingegen in Kyoda Juhatsu`s, Toon-Ryū, sie noch immer in ihrer ursprünglichen Form mit offenen Händen ausgeführt wird.

Auch Miyagi Chōjun soll eine Happoren gekannt (oder gesehen) heben, doch er nahm sie nicht in sein Übungsprogramm auf. Miyagi Chōjun übernahm Higashionnas Sanchin ins Goju Ryū, jedoch mit einer viel stärkeren Körperspannung und einer intensiveren Atmung (Ibuki). Sie lsoll den Go-Aspekt des Goju Ryū lehren, für den folglich fehlenden Ju-Aspekt „schuf“ Miyagi die Tenshō.

Es gibt ca. 40 mehr oder wenig bekannte Versionen von Sanchin, z.b. im Niu Quan, die Siu-Nim-Tau und die Biu-jie im WingChun. Die allgemein bekannte Sanchin ist, außer der Saifa, Seisan, Seipai, Kururunfa in jeder Goju-Kata, sowie in diversen Formen anderer Schulen enthalten. (Quellen: Wikipedia u. a.)

Meine Beschreibung:

Der Name

Ich bevorzuge als Übersetzung „3 Schlachten“. „Drei Schlachten sind für jeden Kampfkünstler, ja jeden Menschen, zu schlagen“ ...

... bezeichnet, primitiv ausgedrückt, die Überwindung des "inneren Schweinehundes", der sich in der himmlischen Schlacht (Kampf mit dem Geist, der Ratio, auch dem Bewußtsein), der irdischen Schlacht (Kampf mit dem Körper, der Materie, der Sterblichkeit) und dem daraus resultiernden emotionalem Konflikt im Menschen, also der menschlichen Schlacht (Kampf mit dem Ego, den Gefühlen, der Begierde) manifestiert. Deshalb gibt es in einem Großteil von Formen unterschiedlichster Art auch immer eine Sequenz der "3 Schlachten", da in jeder Form Ji(n), Qì, und Shen 「精氣神」in Einklang gebracht werden sollten. Eine jegliche Form ist im Prinzip die Wiederherstellung des Einklangs mit sich selbst. Die Erlangung dieses Stadiums äußert sich in der Personalisierung einer Form, das heißt nur „Ich“ kann mich auf diese eine Art in der Form ausdrücken, wiederfinden, vervollkommnen - in Einklang bringen. Ich werde zu dieser Form und die Form wird zum Ich.

Im GojuRyū「剛柔流」 wird die Sanchin als grundlegend bezeichnet und auf Okinawa「沖縄県」 hieß es bis in die 50er Jahre: "3 Jahre Sanchin oder kein Karate". Das sollte heißen, daß man ohne die Sanchin zu meistern, gar nicht erst mit dem Karate beginnen kann. Dabei wurde bei der Sanchin der Ibuki-Atmung「息吹」 und der Muskeltension übermäßig großer Wert zugeschrieben und somit die eigentliche Bedeutung der Sanchin völlig außer Acht gelassen. Eigentlich handelt es sich dabei auch nicht um eine Bedeutung, sondern um eine vielschichtige Entwicklung des Verständnisses dieser Form. Zudem ist nicht zweifelsfrei geklärt, von welche Sanchin dabei gemeint war.

 

Sanchin ist nicht „die“ Sanchin

Die Form, welche heute als Sanchin bezeichnet wird, ist meiner Meinung und Recherche nach nicht die tatsächliche und vollständige Sanchinform, wie sie vermutlich nur von Higa Matsu2「比嘉亲云上」 gelehrt wurde. Die Überreste der Sanchin Matsu Higas bestehen aus über 200 Schritten und dauert ca. 20-30 Minuten. Sie stammt eindeutig aus dem Baihequan, somit ist auch leicht erklärbar, warum sich Bruchstücke in vielerlei Kata wieder finden, insbesondere in den "Derivaten" der Hakutsuru aus Kumemura. Ob es sich bei dieser Hakutsuru um eine einzige Form handelt ist ebenfalls nicht gesichert. Der Unterschied zwischen Higa's Sanchin und Kumemura no Hakutsuru besteht in der Arbeit mit dem Qì. Higa's Form befaßt sich vordergründig mit dem Qìfluß, während die Hakutsuru eher zur praktischen Anwendung tendiert. Die heutige Sanchin ist eine Sequenz aus der alten Babulien3 「八連」 (Happoren) und kommt in ähnlicher Form bzw. dem Prinzip nach in vielen Formen der unterschiedlichsten Stilrichtungen und Schulen vor.

Auf die ursprüngliche Sanchin kann ich nicht eingehen, da mir nur Fragmente bekannt sind, deren Authentizität gern bezweifelt werden darf.

Dr. D. Raimundo Felix Pereda y Benitez (†1910) verfasste zwischen 1860 und 1908 ein 150 Seiten umfassendes Manuskript welches unter anderen 5 Sanchin enthält, darunter die Hakutsuru no sanchin aus dem Minghequan「鳴鶴拳」. Er sprach den Dialekt der Insel, wurde von Higa selbst unterrichtet und wahrscheinlich dazu angehalten, Aufzeichnungen zu machen. Er unterrichtete das Gelernte ab 1879 im spanischen Militär. (Quelle: Pablo Pereda)

Das Prinzip

Hinter der Sanchin, jeglicher Ausführung, steht ein einziges Prinzip: das Erlernen Qì aufzunehmen, in "brauchbares" Qì zu wandeln und "unbrauchbares" Qì abzugeben. 'Brauchbar' und 'Unbrauchbar' sind unzureichende Begriffe, ich verwende sie nur wegen des bildlicheren Ausdrucks. Die Anfangshaltung der Sanchin (in der Form Sanchin), sowie jeder anderen Form im GojuRyū, UechiRyū「上地流」, ToonRyū「東恩流」, etc. beinhaltet das Übereinanderlegen der Hände vor dem Unterbauch. Dies geschieht prinzipiell zu tief mit fast gestreckten Armen. Die eigentliche Haltung ist das anhebende Bedecken des Dāntián「丹田」 mit übereinandergelegten Handflächen, also das Sammeln und Halten von Qì im Dāntián.

Danach folgt ein Ausbreiten der Unterarme, wobei die Innenseiten nach oben gedreht werden. Es entsteht eine Haltung des Aufnehmens, Empfangens, deutlicher zusehen ist die bittende Geste in anderen Stilen, welche die Sanchin mit offenen Händen ausführen. Die Bewegung stammt eindeutig aus der Babulien oder der noch früheren Sanchin Higa Matsu's, und ist in einigen Formen nur noch undeutlich, allerdings im Aikido (合氣道) und Hapkido4 (합기도) noch eindeutig zu sehen. Nicht nur, daß diese Bewegung der Aufnahme von Qì im Allgemeinen, sondern auch der Aufnahme des Qì des Gegners dient, ist sie gleichzeitig eine passive, friedliche und besänftigende Geste, welche gleichzeitig Raum einnimmt und Abstand schafft. Sie folgt unter anderem dem Jǐ「擠」und/oder Liè「裂」-Prinzipien.

Die nächste Bewegung ist das zurückziehen eines oder beider Hände an die Rippen (Cǎi「採」), gefolgt vom Stoßen oder Schieben nach vorn in annähernd gleicher Höhe (P'eng「掤」). Dies ist die Abgabe des "unbrauchbaren" (verunreinigen, verbrauchten, schlechten) Qì durch Láogōng5「勞宮」. Im GojuRyū ist dies nicht ersichtlich, da man die ganze Form mit geballten Fäusten ausführt. Die zweimalige Wendung ist nicht eindeutig geklärt, meiner Ansicht nach ist sie eine durch die Babulien weitergegebene Überlieferung aus dem Xíngyìquán「形意拳」 und beschreibt das Lǚ「捋」-Prinzip der Weiterleitung des Qì (des Gegners).

Danach folgt ein dreimaliges „Chudan-Nukite“中段貫手, d.h. ein beidhändiges Stechen in Bauchnabelhöhe. Ich halte es eher für ein Abwärtspressen welches dem Àn-Prinzip folgt. Diese Bewegung findet man auch in der Siunimtau, Biuche und Chumkiu des Wingchun. Was im GojuRyū als Mawashiuke「回し受け」 bezeichnet wird, entspricht dem mit dem Lǚ gepaarten Cǎi「採」-Prinzip, ist ebenfalls aus der Babulien und ein mehr als deutlicher Hinweis auf das Chisao「黐手」.

Die Atmung

Die Ibuki-Atmung in der Sanchin ist sichtlich falsch verstanden worden und auf Okinawa vermutlich in ursprünglicher zwar bekannt gewesen, aber im Laufe de Zeit vergessen worden. Miyagi übersteigerte diese Atmung aus Unkenntnis und es ist zu bezweifeln, daß Higashionna es ihm so lehrte. Die Atmung im Minghequan ist zwar durchaus stark und laut, aber nicht gepresst und die Körperspannung wird nicht mit Gewalt erhöht, sondern ist eine Oberflächenspannung. Dies ist aber für Zuschauer nicht ersichtlich. Sie ist eine Übung des „Eisenhemdes6“(「鐵衫」 Tiě Shān7), eine Waidanübung「 外丹『功』」, wobei das Wèiqì「衛氣」 angereichert wird, in dem man mehr Qi an der Oberfläche sammelt (sowohl unter der Haut als auch über der Haut, um gegen äußere Einflüße wehrhaft zu werden. Dabei wird auch der Körper abgeklopft (mit und ohne Hilfsmittel) bzw. man schlägt z.B. mit Körperteilen auf verschiedene Gegenstände wie Steine, Säcke, Bambusbündel etc., sowie vielfältige andere Übungen. Wir würden es mit allgemeinen Abhärtungsübungen abtun. Dieses Training macht einen Großteil des Okinawakarate aus und wird dort, je nach Lehrer oberflächlich oder tiefgründiger betrieben..

Die Hakutsuru no sanchin enthält alle Shisanshi「十三势」in unterschiedlichster Form. Die Atmung ist größtenteils natürlich und leicht, manchmal pfeifend (Minghe) und beeinhaltet die „Hen“ und „Ha“- Laute aus dem Taijichuan. Die Bewegungen sind häufig extrem schnell (verwischt), aber auch sehr ruhig und gleichmäßig. Einzelne Bewegung können außerdem beliebig oft wiederholt werden, um die entsprechende Atmung und den Wuji-Zustand zu vertiefen.

Dies sollte für alle Sanchin, auch die des Goju-Ryū angewandt werden.

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Schlußbemerkung

Diese Ausarbeitung ist nicht abgeschlossen.

Fußnoten

1wird im Japanischen verwendet, -Pinyin „zhàn“, vereinfacht ,  kantonesisch „sam“vereinfacht

2Higa(häufiger Familienname Okinawas) Pechin (比嘉 親雲上) (1790–1870), oft Machuu Hijaa (マチュー ヒジャー ) genannt, ist ein wahrhaft „legendärer“ Kampfkünstler in der Geschichte des Ryūkyū ha Kenpo mit massiven direktem Einfluß auf die Entwickung des Karate and Kobudo, speziell des Bōjutsu. Als Bewohner oder sogar Verwalter der Insel Hama Higa (woher auch sein Name stammen könnte [Matsu aus Higa], war er wahrscheinlich Schüler des chinesischen Gesandten Zhang Xue Li und später von Wanshu (3Auf die Diskrepanz bzw. Verbindung zwischen Ba-Bu-Lien und Bai-Bu-Lien gehe ich in der Suparinpai ein.

4Adaptiert vom DaitoRyūaikijutsu 大東流合気柔術

5PC8 - „Palast der Mühe“

6Ich verfüge nur über abstraktes, theoretisches Wissen bezüglich dieses Qigong!

7Das 2. Zeichen kann auch „saam“ (kantonesisch) gelesen werden

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