Asato Anko
安里安恒
Asato

Àsátù (oder eher) Àri Ankū (Dialekt) wuchs als Abkömmling der Familie Àri priviligiert auf und behielt diesen Lebensstandard bis zum Tode bei. Er wurde 1827 im Dorf Àri (auch Àsátù, jap.: Àsátó) 安里, welches zwischen Suī 首里 und Nāfa 那覇 liegt (bedenke, daß Naha heutzutage aus 78 Bezirken besteht, plus Shuri als eigenständiger Stadteil, das bedeutet, daß es früher aus bis zu 80 Dörfern/Siedlungen bestand).
Die Familie bekleidete den Stand der Samurē, Ankū hatte den Rang eines Tunchi 殿内, ein Lehensherr dem in diesem Falle ein Dorf gehörte.
In seiner Jugend galt Àri als Wunderkind, sowohl in Sachen Kampfkunst als auch in Literatur. Für seine zahlreichen literarischen Werke verwendete er das Pseudonym „Rinkakusai“. 輪郭祭.
Als junger Mann lebte Àri als Schüler bei Machūmura. Dort freundete er sich Ichiji an, der denselben Vornamen trug. Machūmura war ein unerbittlich strengeer Lehrer. Der Unterricht lief von Sonnenaufgang bis Sonnenaufgang. Im Erwachsenenalter, wurde Àri Assistenzlehrer seines Meisters. Àri gründete nie eine eigene Kampfkunstchule, er nahm ausschließlich Privatschüler an. Soweit bekannt, hatte Àri nur zwei Schüler: Funakushi und Ōgusuku Chūgu (jap.: Ōshiro Chōgo)大城長後 〜 大城長後. Die Unterrichtung seiner eigenen Söhne überließ Àri seinem Freund Ichiji. Àri hatte ebenfalls strenge Lehrmethoden, beispielsweise ließ er Funakushi jeden Tag dieselbe Kata ununterbrochen wiederholen, für drei Jahre, erst dann lehrte er eine neue Form (das ist zeitlich nicht plausibel, da Funakushi ja mindestens 25 Kata weitergab, aber er erhielt ja keine 25 Formen von Àri). Àri gilt als großer, wenn nicht gar größter Kampfkunstexperte seiner Zeit. Er beherrschte die (militärische) Reitkunst (Bájùtsù 馬術), den Umgang mit dem Bogen und das Jigenryū (wahrscheinlich besser als Machūmura).
Die Reitkunst studierte er, während eines längeren Aufenthaltes in Tokio, bei Megata Masakazu 目賀多 正和, dem Trainer, der einst den Meiji-Kaiser ausgebildet hatte. Er entschied sich für Megatas Unterricht, da dessen Reitstil dem damals aus dem Westen stammenden Trend entsprach und einen so standhaften Mann wie Àri sehr ansprach. Megata bemerkte, daß Àri den neuen Sattel gerne ausprobiert hätte, aber zu bescheiden war, ihn zu fragen. Stattdessen fragte der er ihn. Nach einigem Zureden willigte Àri schließlich ein und wurde von Megata für seine brillante Darbietung und seine Zügelbeherrschung gelobt. Das Bogenschießen lernte er bei Sekiguchi Genta 關口源太. Die Schwertkunst des Jigenryū war wohl sein Steckenpferd, er studierte unter Ishuin Yashichiro 伊集院弥七郎, der auch schon Lehrer von Machūmura war.
Àri konnte sich aufgrund seiner wohlhabenden und einflussreichen Familie zusätzliche Übungsausrüstung leisten. Sein Haus glich einer Trainingsanlage. Es gab stehende und hängende Makiwara 巻藁, verschiedene Holzknüppel und -schwerter, einen Gujinkui 木人樁, Steingewichte, Eisenkugeln zur Stärkung der Griffkraft, Schild und Machete(Tinbē tu rūchin 藤牌肉叉), Nunchaku 雙節棍 〜 双节棍, Eisenknüppel (wahrscheinlich Sai) und sogar ein Holzpferd für Reit- und Bogenschießübungen. Er schaffte sich eine häusliche Umgebung, in der er jederzeit und überall trainieren konnte, wann immer er wollte.
Àri verfügte über äußerst detaillierte Informationen zu allen Kampfkunstexperten, die damals in Uchinā lebten. Diese umfaßten nicht nur einfache Angaben wie Namen und Wohnort, sondern auch detailierte Angaben Fähigkeiten, Tricks und Stärken und Schwächen. Diesbezüglich sagte er zu Funakushi:
[...], daß das Verständnis der Fähigkeiten und Techniken des Gegners die halbe Miete sei, und zitierte Sun Tzu:„Kenne dich selbst und kenne deinen Feind, und du wirst hundert Schlachten gewinnen.“
. Er war derjenige, der erklärte, daß Karate aus ländlichen Tänzen der Ryūkyū-Inseln hervorgegangen ist. Von ihm stammen all die Sprüche, die man Funakushi zuschreibt.
Er beriet den denletzten König in militärischen Angelegenheiten und war bis zur vollständigen Annexion durch Japan, 1879 ein bedeutender Politiker im Amt eines Ministers. Er war es auch, der während der Meiji-Restauration dem Gouverneur riet, uneingeschränkt mit der neu gegründeten Regierung zusammenzuarbeiten und als das Verbot des Tragens von Haarknoten in Kraft trat, gehörte er zu den Ersten, die sich daran hielten.
Das Duell
Berühmtheit erlangte Àri durch den Kampf mit einem der berühmtesten Schwertkämpfer der Satsuma auf Uchinā namens Kanna Yōrin 卡納約林. Kanna war nicht nur für seine Bildung, sondern auch für seine große Beweglichkeit und seinen starken Charakter bekannt. Ihm mangelte es weder an Mut noch an Kampfgeist. Der Samurai griff Àri wiederholt an, und jedes Mal wich Àri aus, fixierte ihn oder entwaffnete ihn beinahe mühelos und besiegte ihn so. Bemerkenswert, daß Àri sich absichtlich unbewaffnet entgegengestellt haben soll, obwohl er doch das Jigenryū meisterlich beherrscht. Es scheint als wollte Àri ein doppelte Demütigung Kanna's und damit der Satsuma's herbeiführen.
Laut Funakushi soll er zahllose Kämpfe bestritten haben, gleich seinem Lehrer Machūmura und ebenfalls unbesiegt hervorgegangen sein. Er soll sogar Hinterhalte in seinem Dorf angelegt haben um Störenfriede, Diebe und andere Kriminelle zu überwältigen.
Fazit
Àri war ein ziemlich hohes Tier am königlichen Hof, er war wohlhabend, ein hervoragender Kämpfer, Schüler und Freund von Machūmura, bester Freund von Ichiji bis ans Lebensende, Lehrer von Funakushi, weise, gebildet, politisch absolut auf Höhe der Zeit. Er war dem König treu ergeben, aber pragmatisch genug, sich der neue Zeit und Lage anzupassen. Er war kein Kind von Traurigkeit, konsequent und geradlinig, sowohl in der Kampfkunst, als auch im Leben. Seine Kampfkunst war sowohl alt und traditionell, als auch zeitgemäß. Seine Leidenschaft war der Schwertkampf, sein Karate oder besser Tuidi paßte er diesbezüglich an. Er war Staatsminister und aus diesem Grund in direktem persönlichen Kontakt mit dem König, der perfekt getarnte Leibwächter Nummer Zwei (Nummer Eins war Kyan).


