Oyata Seiyu
親田清勇大家
Oyata Seiyu Taika

Eine gekürzte und von mir überarbeitete Übersetzung der originalen Webseite https://www.oyatate.com/ von Lee Richards.
Zusammenfassung
Oyata Seiyū Taika war ein hochqualifizierter Meister der Selbstverteidigung. Er erlangte Berühmtheit durch seine Fähigkeiten im https://www.germankenpo.de/index.php?page=tuudii 唐手 und https://www.germankenpo.de/index.php?page=kyusho 急所術, sowie durch sein tiefgreifendes Wissen über den menschlichen Körper und dessen Manipulation. Er wurde 81 Jahre alt; davon verbrachte er 35 Jahre auf den Ryūkyū-Inseln und weitere 35 Jahre im Großraum Kansas City (Missouri, USA).
Bei seiner Einwanderung in die USA brachte Oyata 14 Kata mit offener Hand, sowie mindestens 57 Waffen-Kata mit; diese bilden einen wesentlichen Bestandteil der Kampfkunst Oyata-Te.
Oyata Seiyū Taika wurde am 19. Oktober 1930 geboren. Obwohl sein Grabstein ein anderes Datum aufweist.
Die Zeit vor dem Karate
Entgegen der weitverbreiteten Annahme wurde Taika nicht auf Okinawa geboren. Er kam auf der Insel
Hyanja 平安座
Eine Insel der Yokatsu-Inseln (Yokatsu-shotō) im Archipel der Okinawa-Inseln, mit modernem Namen Henza. Sie liegt zwischen den Inseln Hamahigashima, Miyagi-jima und Okinawa Hontō, mit denen Henza-jima durch Brücken verbunden ist. Sie ist Teil der Stadt Uruma in Okinawa. Das einzige Dorf, welches Henza (Yonashirohenza) heißt, liegt im Süden der Insel und verfügt über einen Hafen.
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zur Welt und zog kurz darauf nach
Kita Daitō (Jima) 北大東島
Wörtlich: Nord-Daitō (früher: Nord-Borodino-Insel), ist die zweitgrößte und nördlichste Insel der japanischen Daitō-Inseln in der Philippinensee. Administrativ gehört die Insel zur Präfektur Okinawa und bildet dort, gemeinsam mit der unbewohnten Insel Oki-daitō, die Gemeinde Kitadaitō.
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um, einer Insel, die etwa 250 Meilen östlich der Hauptinsel Okinawa liegt.
Im Jahr 1930 war Henza noch eine eigenständige kleine Insel; später wurde jedoch die Landfläche zwischen ihr und Okinawa aufgeschüttet, um eine Landbrücke sowie eine Straße zu schaffen, die Henza und die Insel Miyagi mit Okinawa verbanden. Betrachtet man heutige Karten der beiden Inseln, so wirken sie wie eine einzige Landmasse – was zur Zeit seiner Geburt jedoch nicht der Fall war.
Er war der jüngste Sohn von Oyata Kana 親田哉, der innerhalb eines Jahres nach Taikas Geburt das Amt des Gouverneurs von Kita Daitō antrat. Die Insel war klein und verfügte damals über keinen Flughafen; die Anreise war nur per Boot möglich. Das einzige Telefon der Insel befand sich im Haus seiner Familie, da der Gouverneur der Einzige war, der auf eine Kommunikationsverbindung angewiesen war. Es gab keine Strände auf der Insel, und der Zugang zum Wasser erfolgte seinerzeit ausschließlich über einen Kran. Die nächstgelegene Insel war
Minami Daitō (Jima) 南大東島
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die über einen Flughafen verfügte. Man konnte von Minami Daitō aus zum japanischen Festland und zurück fliegen und anschließend mit dem Boot von der südlichen zur nördlichen Insel übersetzen.
Das Familienerbe der Oyatas
Die Abstammung von Taika lässt sich bis zu 謝名親方利山 (Lee schreibt im Orignaltext "Oyakata Zana", Zana ist meiner Recherche nach ein Spitzname) zurückverfolgen; dies ist von großer Bedeutung, da es der Grund dafür war, daß er später bei zwei Meistern trainieren durfte, denen er nach dem Zweiten Weltkrieg begegnete. Uēkata (jap.: Oyakata) 親方</bdo ist eigentlich ein Titel und nicht mit dem Namen Oyata zu verwechseln. Das erste Schriftzeichen, Oya (Uē)親, ist zwar identisch mit dem ersten Zeichen von Oyata, doch dies ist eher ein Zufall (der Übersetzer des Textes glaubt nicht an Zufälle und vermutet eine Verballhornung des ursprünglichen Titels). Oya bedeutet Elternteil, und Oyakata kann als Vaterfigur verstanden werden; in diesem Sinne wird der Begriff auch in vielen japanischen Ausbildungssystemen verwendet, etwa bei der Ausbildung zum Bonsai 盆栽-Meister. Man könnte ihn zwar mit Trainer übersetzen, doch die Bedeutung geht darüber hinaus – daher auch der familiäre Kontext. Im Uchināguchi 沖縄口würde man es Ueekata aussprechen.
Im Jahr 1609 fiel der Shimazu shi 島津氏 (Clan) aus der japanischen Provinz Satsuma 薩摩 in das Königreich Rūchū 琉球 ein. Nach kurzem Widerstand kapitulierte König Sho Nei 尚寧 von Rūchū, woraufhin die Shimazu ihn und etwa hundert seiner Beamten nach Nippon 日本 verschleppten. 1611 zwangen die Shimazu Sho Nei und seine Berater, verschiedene Eide zu leisten, in denen sie ein Fehlverhalten im Krieg einräumten und den Shimazu die Treue schworen. Oyakata Zana (Jana Uēkata Rizan), einer der engsten Berater des Königs, weigerte sich, diese Eide zu unterzeichnen und wurde daraufhin enthauptet. Die Shimazu änderten dessen Familiennamen in Shinda 親田 – was wie das Wort für Tod klingt – und tilgten so die Geschichte der Familie Zana (Rizan). Für jedes japanische Schriftzeichen gibt es mindestens zwei Ausspracheweisen: die sogenannte On-Lesung 音読 und die Kun-Lesung 訓読. Das Zeichen 親 kann als Shin (On-Lesung) oder Oya (Kun-Lesung) ausgesprochen werden; in beiden Fällen bedeutet es Elternteil. Die Aussprache Shin ist zudem identisch mit dem Wort für Tod, wobei es sich jedoch um ein anderes Schriftzeichen handelt 死. Viele Dinge in der japanischen Kultur, die phonetisch an das Wort für Tod shinu erinnern, gelten als Unglücksbringer und werden daher vermieden. Hinweis: Im Japanischen ist es bei Wörtern wie shinu – bei denen das Wort auf eine Silbe mit dem Vokal u endet – üblich, daß dieser u-Laut eher wie ein Hauch klingt und nicht betont wird. Daher kann Shinu in manchen Gegenden wie shin klingen. Ebenso hört man beim Zählen – da die Zahl vier shi wie das Wort für Tod klingt – normalerweise die Variante yon. Folglich gibt es keine Rangbezeichnungen wie Shi-kyu oder Shi-dan (was wie Todesrang klingen würde). Der zweite Teil des Namens kann entweder als Da oder als Ta ausgesprochen werden; der einzige Unterschied liegt in der Nuance der Aussprache, abhängig vom vorangehenden Laut. Nach dem n-Laut in Shin wird der Konsonant zu einem weichen Da, während er nach einem Laut wie ya eher zu einem harten Ta tendiert. So wandelte sich Shinda im Laufe der Zeit zu Oyata. Die Schriftzeichen blieben dabei unverändert; lediglich der Klang des Namens verlor seine unheilvolle Konnotation.
Durch die Veröffentlichung eines Stammbaums, Mitte der 1980er Jahre, mißverstanden einige Leute die darin dargestellte Verbindung zur Familie Ikemiyagushiku 池宮城. Taika wurde einige Jahre vor seinem Tod darauf angesprochen und bestätigte, daß er mit der Familie Ikemiyagushiku verwandt und ein Cousin von Ikemiyagushiku Chōjun 池宮城長順 sei. Falls Ihnen dieser Name bekannt vorkommt: Es handelt sich um die okinawanische Aussprache des Nachnamens von Miyagi Chōjun 宮城長順
(Mehr Informationen zum Namen)
Die im alten Namen enthaltenene Schriftzeichen 宮城 werden jap.: miya-gi / miya-gusuku, eigentlich aber >miyagushiku bzw. nāgushiku / nāgusuku gelesen.
Er lernte Chōjun während seines Trainings bei Ufugushiku nu Tanmei 大城之歎命 kennen – auf diesen Lehrer wird später noch eingegangen. In einer Erzählung gegenüber seinen Schülern während eines Trainings im Jahr 2008 berichtete Taika, daß Ufugushiku ihn mit Chōjun Miyagi bekannt gemacht habe, er jedoch nicht direkt bei Chōjun trainiert habe. Taika erzählte, daß Chōjun anfangs nicht einmal Notiz von ihm nahm, bis Ufugushiku ihn über Taikas Abstammung und die verwandtschaftliche Beziehung – sie waren entfernte Cousins – informierte. Dieses Treffen fand vor Ufugushikus Wohnsitz statt und es wurde lediglich über Karate gesprochen; ein eigentliches Training fand nicht statt.
Okinawa-Sumo
Obwohl Taika nie ernsthaftes Training absolvierte, kam er mit dem Okinawa-Sumo – bekannt unter der Bezeichnung Kakuyūkai 角誘拐 – in Berührung. Sein Vater praktizierte diesen Sport und war offenbar ein sehr erfolgreicher Wettkämpfer, der zu seiner Zeit zahlreiche Turniere gewann. Sein ältester Bruder Akio trainierte diese Kampfkunst, Taika hingegen nicht, auch wenn er mit ihr vertraut war.
Okinawa-Sumo ist eher eine Mischung aus Edo-Sumo 江戸相撲 und https://www.germankenpo.de/index.php?page=judo 柔道. Ziel ist es, den Gegner auf den Rücken zu werfen; im Gegensatz zum Edo-Sumo wird dabei jedoch üblicherweise ein schwerer Gi 着 getragen. Der Kampf findet meist auf einer sandigen Fläche statt. Die Kontrahenten beginnen, indem sie in den Gürtel des jeweils anderen greifen und sich gegeneinander lehnen. In der ersten Runde versucht jeder, den Gegner auf den Rücken zu werfen. Es gibt keine festgelegten Kampfflächenbegrenzungen, allerdings kann der Kampf unterbrochen werden, wenn die Gefahr besteht, daß einer der Kämpfer den Sandbereich verläßt.
Schulzeit in Osaka – 1937–1943
Im Alter von drei Jahren wurde Taika zur Schulausbildung zu seiner Tante nach Ōsaka 大阪市 (oder in die unmittelbare Umgebung) auf dem japanischen Festland geschickt. Taika erzählte oft, daß er in jungen Jahren ein wenig „wild“ gewesen sei; da seine Eltern auf einer kleinen Insel bereits einen voll besetzten Haushalt zu versorgen hatten, schickten sie ihn zu seiner Tante. Da er in Osaka aufwuchs, ist davon auszugehen, daß er – wie damals in den späten 1930er und frühen 1940er Jahren üblich – im Rahmen des Lehrplans der Grundschule auch körperliches Training erhielt. Sowohl Jūdō als auch Kendo 剣道 gehörten auf dem japanischen Festland bereits seit 1911 zum regulären Schullehrplan. 1937 begann der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg 支那事変〜日支戦争〜日中戦争〜抗日戰爭〜抗戰〜八年抗戰〜十四年抗戰〜第二次中日戰爭〜日本侵華戰爭. Im Dezember 1941 griff Japan Pearl Harbor 真珠湾攻撃 an und trat in den Konflikt mit den Vereinigten Staaten ein – genau zu der Zeit, als Taika in Osaka die Schule besuchte. Infolgedessen nahm das japanische Bildungssystem zunehmend militaristische Züge an. 1941 wurden die Grundschulen in „Nationale Volksschulen“ umbenannt. Alle männlichen Schüler waren nun verpflichtet, sogenannte Jugendschulen zu besuchen, in denen berufliche Ausbildung und militärische Grundausbildung miteinander verknüpft wurden. Taika berichtete, daß er in dieser Zeit im Unterricht bestraft wurde, wenn er die Uchināguchi sprach, die er von älteren Familienmitgliedern gelernt hatte. Wer Uchināguchi sprach, mußte ein Schild um den Hals tragen, auf dem BAKA!!! stand. Baka 馬鹿 bedeutet Narr, Idiot oder Dummkopf.
Auch wenn es nicht der Ort war, an dem Taika zur Schule ging, so empfahl der Bildungsbeauftragte Ogawa Shintaro 小川眞太朗 bereits 1902 auf Okinawa, das Okinawate 沖縄手 in den Sportunterricht der dortigen ersten Mittelschule aufzunehmen.
Als Kind dürfte Taika durchaus mit Tī 手 und anderen Kampfkünsten in Berührung gekommen sein.



